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Arnon Grünberg
Phantomschmerz
(Fantoompijn, 2000)

Diogenes
2003
Übersetzt von Rainer Kersten
383 Seiten
€ 22,90 [D] 23,60 [A] sFr 39,90


Von Alfred Ohswald am 28.08.2003

  Der Schriftsteller Robert Mehlmann schummelt sich mit seiner Frau, einer Psychotherapeutin, durchs Leben. Egal, ob er gerade viel Geld zur Verfügung hat oder mit einem Schuldenberg kämpft, er wirft es mit beiden Händen hinaus. Ständig redet er vom nächsten großen von ihm zu erwartenden Werk und erzählt seiner Umgebung sonstige, oft abenteuerliche Lügen. Zuerst hatte er eine puertoricanerische Geliebte und dann ein Mädchen namens Rebecca, die von allen „Hohle Nuss“ genannt wurde, wenn sie nicht anwesend war. Gleich am Anfang ihrer Bekanntschaft lässt er sich mit ihr mit Limousine und Chauffeur nach Atlanta ins Kasino fahren, wo sie 5000 Dollar zusammen verspielen. Zur gleichen Zeit sind die meisten seiner Kreditkarten bereits gesperrt, so dass seine Frau auf einem Kongress nicht einmal ihre Hotelrechnung bezahlen kann. Trotzdem zieht er fast jeden mit seinem Charme in seinen Bann.
 
  Grünbergs Hauptfigur ist ein typischer Hallodri, ein Mensch, der keinerlei Verantwortung übernehmen will oder kann. Ziemlich verrückt und sehr egozentrisch. Er schreckt nicht vor Betrug zurück, um seine finanzielle Misere zu überwinden, macht aber gleichzeitig großzügige Geschenke. Ein Typ, wie ihn die meisten Leser, meist weniger extrem, vermutlich schon kennengelernt haben.
  Die Geschichte dieser Figur erzählt Grünberg auf sehr humorvolle Art. Selbst eher dramatische Szenen werden mit einer kräftigen Portion Ironie beschrieben. Titel, Untertitel des fiktiver Erfolgbuches der Hauptfigur neigen sogar zu tiefschwarzen Sarkasmus: „Die polnisch-jüdische Küche in 69 Rezepten. Kochen nach Auschwitz“. Vervollständigt wird das durch eine Überschrift über einen Zeitungsartikel über das Buch: „Frisch aus dem Ofen“. Derart drastisch wird’s sonst aber selten.
  Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, es ist ein sehr vergnügliches Buch mit einer sehr kauzigen Hautfigur. Manchmal erinnert es etwas an John Irving, aber der ironische Ton ist bewusst eingesetzt.

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