Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Heinrich Steinfest
Der Mann, der den Flug der Kugel kreuzte

Lübbe
2001
271 Seiten
€ 7,45 [D]


Von Rudolf Kraus am 18.08.2003

  Ein Wiener Architekt namens Szirba, der in Stuttgart lebt, frönt auch hier seiner Leidenschaft etwas hinzuzufügen, wo es nicht hingehört. Sozusagen ein umgekehrter Taschendieb, der im Billigladen ein exklusives Stück hinterlässt, das nach der Entdeckung für heillose Verwirrung sorgen kann. Nun stößt er aber auf einen älteren Herrn, der offensichtlich der selben Leidenschaft verfallen ist, indem er ebenfalls Gegenstände hinzufügt, wo sie nicht sein sollten. Bei der Beobachtung dieses Mannes in der Stuttgarter Bahnhofsbuchhandlung kommt es zu einem Überfall, bei dem der Mann in die Schusslinie gerät. Szirba wirft sich dazwischen und landet mit einer zerschossenen linken Hand im Spital. Das vermeintliche Opfer hat er aber gerettet, die Kugel verirrte sich in die Lunge eines Unbeteiligten.
  Der Spitalsaufenthalt trägt aber nicht unbedingt zu Szirbas Genesung, denn man trachtet um sein Leben. Mit der Hilfe eines Ex-Boxers entkommt er zwar aus dem Spital, steckt aber ungewollt bis zum Hals in Schwierigkeiten. Noch dazu taucht ein deutschstämmiger Südafrikaner auf, der eine angesehene Dame aus dem Weg schaffen soll. Nebenbei verkauft er afrikanische Bibeln und entpuppt sich als kultivierter Philanthrop, der eben als Killer sein Brot verdient. Szirba und der Südafrikaner stoßen aufeinander, eigentlich ungewollt, da sie sich bereits in der Mitte eines Sumpfes aus Machenschaften befinden, dem man, wenn überhaupt, nur in der Vorwärtsbewegung entrinnen kann.
  Heinrich Steinfest spielt in diesem Buch seine gewohnten Stärken aus: ein erzählerisches Geschick gepaart mit einer gut abgestimmten Portion scharfer Satire und Skurrilität. Dennoch überrascht der Autor durch ein phasenweise atemberaubendes Tempo und durch die Handlungsstruktur. Zwei gleichberechtigte Hauptfiguren, die gleichberechtigt aber konträr agieren und sich schlussendlich über den Weg laufen, bestimmen diesen Roman, ohne aufdringlich zu sein. Und wie im richtigen Leben wird nicht jede Schuld gesühnt und die Unschuld bleibt nicht unbescholten.
  Ein gereiftes Werk aus der Feder des Wiener Autors, der in Stuttgart lebt, was diesem Buch sicher nicht geschadet hat.

Von Alfred Ohswald am 03.04.2004

  Der in Stuttgart lebende Österreicher Szirba frönt einer seltsamen Leidenschaft, dem Hinzufügen. Anstatt etwas zu stehlen, lässt er Dinge zurück. Eines Tages beobachtet er zufällig einen Mann, der dieses skurrile Faible mit ihm zu teilen scheint. So regiert er instinktiv, als ein junger Mann bei einem Überfall auf diesen Mann schießt und stößt ihn aus der Schusslinie. Er selbst wird dabei verletzt und ein anderer Mann getötet, der jungen Kriminelle bald darauf von einem Polizisten erschossen.
  Ohne es zu ahnen, wurde er damit in eine große Sache verwickelt und bekommt im Spital Besuch von dem jungen Polizisten, der auch ihn zu erschießen versucht. Es entwickelt sich eine wilde Flucht, bei der es zwei Tote gibt und Szirba eine seltsame dicke Frau kennen lernt.
  Der Mann, den Szirba gerettet hat, hat offensichtlich zufällig von einem Attentat auf eine Frau aus dem oberen Management einer gossen Firma erfahren und sollte deshalb aus dem Weg geräumt werden. Und jetzt steht auch Szirba auf der Abschussliste,
 
  Zuerst ist Heinrich Steinfests Roman ein geschickt konstruierter und erzählter Politthriller, der sich mit den besten Vertretern des Genres messen kann. Allerdings erzählt er ihn auf nicht alltägliche Weise. Zuerst ist es recht ungewöhnlich, dass die Haupt- und Erzählerfigur mitten im Roman wechselt und das ohne negative Konsequenzen für den Roman. Noch ungewöhnlicher für dieses Genre, aber in guter Tradition österreichischer Krimautoren, schreibt Steinfest mit einer kräftigen Portion Witz und Ironie, die er sowohl aus den oft aberwitzigen Situationen aber noch mehr aus seinem Geschick bei der Formulierung schafft. Allerdings ist es nie vordergründiger, deftiger Humor, sondern hält sich geradezu diszipliniert im Hintergrund, immer präsent aber nie aufdringlich. Besonders bleiben auch manche wirklich schrägen aber treffenden Bilder und Beobachtungen in seiner Umwelt im Gedächtnis. So, wenn selbst in einem unterirdischen Schlafplatz für Punker und Stadtstreicher eine Putzkolonne für saubere Toiletten sorgt.
  Das Buch legt man vor dem Ende nicht aus der Hand, die Spannung hält durchgehend an und Längen sind weit und breit nirgends auszumachen. Eine Kombination von klassisch verwickeltem Thriller mit hintergründigem Humor, die man so kaum kennt.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.