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Susanne Scholl
Elsas Großväter

Picus
2003
258 Seiten
€ 19,90


Von Rudolf Kraus am 17.08.2003

  Elsa, die Protagonistin dieses Romans und zugleich Alter Ego der vor allem als kompetente Korrespondentin in Moskau bekannten Susanne Scholl, begibt sich auf einen dreiwöchigen Kuraufenthalt (wie es ihre Verwandten zur Jahrhundertwende getan hatten) und nimmt eine alte Mappe mit vergilbten Briefen ihres Vaters und ihres Großvaters mit, um sie in Ruhe während des Kuraufenthaltes zu lesen.
  Der Krieg hatte es ihr als Kind einer jüdischen Familie zur Normalität gemacht, dass die Großeltern meist dem Holocaust oder den Wirren des Krieges zum Opfer fielen. Ihre Mutter hatte es mit Geschick verstanden, dennoch die Kinder so zu erziehen, dass es nicht ungewöhnlich für sie war ohne Großeltern aufzuwachsen. Der Krieg hatte ja allerorts besonders die Großväter der Nachkriegsgeneration dahingerafft.
  Elsa lernt durch den Briefwechsel ihres Vaters (der in London im Exil saß) und ihres Großvaters (der mit Frau, Tochter und Kinderfrau zuerst in Wien, dann in Brüssel festsaß) den Großvater und diese bedrückenden, zermürbende Zeit und Situation kennen. Die Korrespondenz erschließt in berührender und aufwühlender Weise die Tragik der Familiengeschichte. Die sukzessive betriebene Entrechtung und Enteignung, die brutale Übernahme des Elternhauses durch einen Blutordensträger (der noch als illegaler Nazi einen Anschlag auf den österreichischen Bundespräsidenten verübt hatte) und die schwierige Ausreise nach Brüssel. Die Briefe des Großvaters wirken immer gebrochener, kränklicher und irgendwann 1940 reißt auch der Briefwechsel ab, bis Elsa zum Schluss einen kurzen Brief von Freunden aus Istanbul entdeckt, aus dem hervorgeht, dass der Großvater während eines Interniertentransportes in Frankreich gestorben ist.
  Sabine Scholl lässt am Rande dieser beklemmenden und berührenden Geschichte Berichte über den Krieg und das Elend am Balkan einfließen und verstärkt damit die Wirkung und Dimension dieser Schicksale ungemein. Zudem wirken auch ihre Erfahrungen als Journalistin und Moskau-Korrespondentin ein, die Schilderungen immens realistisch darstellen kann.

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