Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Gisbert Haefs
Troja
(1997)

Heyne
2001
525 Seiten
€ 10,- [D]


Von Wolf-Dieter Roth am 03.04.1999

  Wer kennt den Mythos vom Untergang Trojas nicht? Gisbert Haefs rüttelt in seinem Roman daran und erzählt farbenprächtig und wortgewandt eine ganz andere Geschichte.
  Der Held heißt Awil-Ninurta, Mann aus Ninurta, ein assyrischer Händler, der als Kopf einer Händlergemeinschaft die Hafenstädte des östlichen Mittelmeeres anfährt. Auf seinen Handlungsreisen ist Awil-Ninurta in das Ränkespiel der Mächtigen geraten, so das ihn sein Weg schließlich nach Troja führt, um dem dortigen Herrscher eine Botschaft zu übermitteln.
  Awil-Ninurta wird dadurch in den bekannten Trojanischen Krieg verwickelt und lernt, neben anderen, Agamemnon und Odysseus kennen. Ein Knabe namens Korinnos und ein heiter zynischer Odysseus kommentieren die politischen Ereignisse in eigenen Kapiteln. So wird klar, daß nicht eine Frau, sondern Machtgelüste und wirtschaftliche Interessen die ursprünglichen Antriebskräfte waren, die zum Krieg gegen Troja führten.
  Denn die Achaier, ein ungebildetes, aber kräftiges Bergvolk aus dem Norden Griechenlands, haben eben erst die Macht auf dem Peloponnes übernommen. Awil-Ninurta bringt seine Botschaft an den Mann, und Troja wird, wie erwartet, von den Achaiern geplündert.
  Doch Haefs räumt in seiner Geschichte mit der griechischen Mythologie auf, indem er im ersten und im letzten Kapitel von den Einsichten des Atheners Solon erzählt. Ein Nachfahre Solons heißt dann Platon ...

Von Alfred Ohswald am 23.05.2002

  Als der griechische Staatsmann Solon sich aus der Politik zurückzieht, reist er als Händler nach Ägypten. Dort erfährt er von einem Priester vieles über die legendäre Vorgeschichte Griechenlands, dass ein völlig neues Licht auf Homers Epen wirft und an den Grundfesten seiner Weltanschauung rüttelt.
  Er erfährt diese andere Geschichte um die Belagerung und Zerstörung Trojas aus drei verschiedenen, miteinander verknüpften Quellen. Hauptsächlich wird die Geschichte des assyrischen Händlers Ninurta erzählt, aber auch ein gewisser Korinnos und Odysseus kommen jeweils dazwischen immer wieder zu Wort.
 
  Gisbert Haefs verknüpft einige der aktuelleren Hypothesen zu Troja mit eigenen Spekulationen, die aber meist nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, zu seinem dritten, großen historischen Roman (die beiden Alexander-Romane nicht getrennt gerechnet). Er begnügt sich aber nicht mit Troja, sondern lässt seine Hauptfigur auch viel in den anderen Ländern dieser Zeit herumkommen und bringt dem Leser so die weltpolitische Situation der damaligen Zeit näher. Die Hauptfigur, wie bereits in „Hannibal“, ein Händler, ist mehr Beobachter als aktiv Beteiligter und wird in die Ereignisse hineingezogen, ohne dabei selbst aktiv Ziele zu verfolgen, außer dem, am Leben zu bleiben.
  Die etwas reichlich vorkommenden Sexszenen wälzt er glücklicherweise nicht zu sehr aus. Eine Nebenfigur ist ein genialer Erfinder und bei dem schießt er weit über das Ziel hinaus, indem er ihn so ziemlich jede Entdeckung der antiken Welt machen lässt und gleich noch Einiges darüber hinaus. Gegen diesen so nebenbei einen genialen Einfall nach dem Anderen produzierenden Wunderknaben wirkt ein Leonardo da Vinci als der reinste Dilettant. Diese extrem unglaubwürdige Figur schadet dem sonst nicht allzu sehr ins Fantastische abdriftenden Roman deutlich und wäre für die Handlung in dieser Form auch nicht nötig gewesen.
  Der nur kurz am Anfang und am Ende auftauchende Solon ist der Grieche, dem ägyptische Priester bei Platon von Atlantis berichten. Haefs folgt damit den Historikern, die Troja für das Atlantis Platons halten. Im Anhang findet man dann auch neben einem historischen Überblick und einem Glossar zu den Namen und Orten, bearbeitete und gekürzte Auszüge aus Platons „Timaios“ und „Kritias“.
  Haefs hat auch in „Troja“ wieder seine mit „Hannibal“ und „Alexander“ gesetzten Qualitätsstandards erreicht. Man merkt dem Buch die ausführliche und fundierte Recherche an. Ein origineller Blickwinkel und eine spannende, vielschichtige Geschichte runden den Roman, trotz der Schwäche bei einigen Charakteren, zu einem ausgezeichnet gelungenen Vertreter des Genres ab.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.