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Aeleen Frisch
Unix System-Administration

O'Reilly Verlag
2003
Übersetzt von Peter Klicman, Andreas Bildstein, Jorgen W. Lang und Klaus Düllmann
1224 Seiten
€ 64,- [D]


Von Bruno Hopp am 01.08.2003

  Systemadministration - diese anspruchsvolle Aufgabe, für die es bis heute nur wenig Anleitung, seltenst eine geradlinige Ausbildung gibt, wird in diesem umfangreichen Band von Frau Frisch detailliert in vielen Facetten vorgestellt. Leser, die wie der Rezensent auch schon ältere (englische) Ausgaben kennen, werden sich an den früheren Buchtitel "Essential System Administration" erinnern. Die Änderung im Titel ist mehr als nur oberflächlich: die Welt auch der IT hat sich auch hier rasant geändert. Wie in den vorigen Ausgaben geht Frau Frisch in einem ansteckend fröhlichen und doch mit fachlichem Tiefgang zu den Interna von Solaris, HP-UX, Tru64, FreeBSD und anderen BSD-Varianten: und selbstverständlich zu den diversen Inkarnationen von Linux: RedHat, SuSE, Debian.
  Wurden früher zu Einzelaufgaben kleine Perlskripte oder C-Programm(-chen) mustergültig vorgestellt, so sind die anspruchsvollen Programmierübungen seltener geworden: denn diese sind insbesondere auf Linuxseite durch reichlich Standardsoftware inzwischen bequemer zu erledigen. Breiten Raum nehmen jetzt Unterschiede zwischen den verbreiteten RedHat- SuSE- und Debian Linux-Distributionen ein.
  Die historische Rückschau auf die frühen Tage der Unix-Familie und ihre Entwicklung läßt die Leserschaft noch übergreifende Gemeinsamkeiten zumindest erkennen (auch wenn der äussere Schein manchmal anderes vermuten liess).
  Allein schon der folgende Einstieg in die Administration dank der vorgefertigten Tools holt einen in die Gegenwart zurück: bei RedHat "redhat-config", bei SuSE: "YaST2", FreeBSD mit sysinstall, bei Tru64 "SysMan", dann ein unabhängiges VNC. Später führen die Betrachtung des Bootprozesses unter Linux dazu, gängige Startskripte insbesondere auch bei Linux unter die Lupe zu nehmen: hier gibt es viel Licht und Schatten, was saubere Initialisierung von Diensten und die Sicherheit angeht.
  Das Kapitel zur TCP/IP-Vernetzung liefert komprimiertes Grundlagenwissen, das jeder Netzadministrator kennen sollte: Subnetze, IPv6 oder auch das Verhalten von Netzwerkinterfaces bei den verschiedenen Unix/Linux Systemen. Von hier an geht es um die Themen, die für professionelle Administratoren in Firmen und Behörden zentral sind: DNS, Sicherheit von Rechnern und ausgewählte Serverdienste. Leider ist z.B. der noch oft eingesetzte WU-FTP wohl erwähnt, dessen überprüfbare Absicherung (etwa anonymous ftp) aber selbst mit den Hinweisen hier nur für Experten zu schaffen.
  Was ist zu tun, wenn Unregelmässigkeiten entdeckt werden? Monitoring-Tools (wie ntop) werden ausführlicher vorgestellt, SNMP nimmt breiten Raum ein und zwangsläufig auch die "Königsdisziplin" moderner Server: Konfiguration und Betrieb eines Mailservers.
  Frisch berücksichtigt natürlich den verbreiteten Sendmail, spart auch nicht an Hinweisen auf zuverlässige Alternativen wie Postfix (von Wietse Venema) oder Exim (von Philipp Hazel). Neu sind inzwischen das wichtige Thema: Kampf gegen SPAM und laufendes Monitoring des
 Mailservers.
  Die Behandlung von Dateisystemen und Festplatten ist wiederum erfreulich ausführlich, weil sich hier dank ReiserFS, Ext3-FS und anderen Journaling-Funktionen besonders bei Linux sehr viel zum Positiven geändert hat, was professionelle Anwender besonders schätzen. Datensicherung und Recovery ist ein logisch und praktisch sehr naheliegendes Thema, zu dem Frisch ebenso viele Details beiträgt.
  Eines der unbeliebten weil zeitraubenden Themen der Netzadministration: das Drucken folgt ebenfalls detailreich. Hier geht es um den altehrwürdigen lpd/lpr, den jüngeren Nachfolger Lprng und endlich (!) wird CUPS erwähnt: Duplexdruck, exotische Druckfunktionen und Zugriffskontrolle mit impliziten Klassen (früher "Druckerpools") - leider entsprechen die viereinhalb Seiten kaum dem Leistungspotential, das CUPS bietet (www.cups.org wird zur näheren Inspektion erwähnt).
  Bemerkenswert ist auch das Nachwort: "Der Beruf des Systemadministrators", weil hier in kritischer Sicht ausgewählte Quellen genannt sind, die sowohl den Austausch professioneller Admins betreffen (etwa SAGE), aber auch individuelle Aspekte zur Weiterentwicklung angesprochen werden ("administrative Tugenden").
  Der Index ist glücklicherweise umfangreich, so dass auch Details sich in den 1200 Seiten in kürzester Zeit wiederfinden lassen - so muss es sein. Und der vorliegende Band ist der erste bei O'Reilly, dessen Umfang einen festen Einband nötig machte.
 
  Aeleen Frisch liefert mit ihrem Klassiker in der vorliegenden deutschen Übersetzung einen großartigen Fundus an Wissen rund um Unix- und Linux-Systemadministration, der seinesgleichen sucht. Detailreich, immer hart am Thema ohne abzuschweifen in einem lockeren Stil, der leicht vergessen lässt, dass es hier um die "Nervenbahnen" großer Organisationen (Universitäten oder Großfirmen) geht, aber durch den Fokus auf Linux auch für eine grosse Zahl von Anwendern spannend, die sich bisher nicht für Unix begeistern mochten.
  Umfassend, gewaltig - soviel Details bei Aeleen Frisch dienen nicht nur als Lernbuch, sondern sicher auch zum Nachschlagen und als Referenz bei Zweifeln. Für die Zielgruppe professioneller System-Administratoren ist Frisch sicher "das" Buch: im besten Sinne einzigartig, ein wirklich gutes Buch!

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