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Hans-Jürgen Scheibl
Datenbanken für das Internet
Entwurf, Programmierung und Anbindung unter Windows

Hanser
2002
922 Seiten
€ 49,90 [D]


Von Bruno Hopp am 07.07.2003

  "Datenbanken für das Internet" - ein solcher Titel verspricht viel und weckt hohe Erwartungen. Sei es dass man darunter den Betrieb von Datenbanken im Zusammenspiel mit einem Webserver meint, der dynamisch die Inhalte der einzelnen abgerufenen Webseiten generiert, sei es dass Computernutzer direkt über Internet auf Datenbanken zugreifen wollen. Scheibl zielt mit seinem Buch auf den wachsenden Kreis jener, die die erstgenannte Lösung: Webserver mit "dranhängender" Datenbank für ihre Zwecke nutzen wollen. Grundlage ist das verbreitete kommerzielle Microsoft-Windows Umfeld. D.h. es kommen einzig kommerzielle Lösungen wie der von Microsoft mitgelieferte Webserver IIS oder der SQL Server vor, ergänzt um die standardisierten Schnittstellen ODBC und SQL und in diesem Umfeld gängige (Programmmier-) Sprachen.
  Scheibl geht das Thema systematisch und gründlich an: so thematisiert er anfangs die zahlreichen technischen Möglichkeiten von Datenbankzugriffen (unter MS Windows). Terminologie und grundlegende Konzepte des Datenbanksektors werden vorgestellt (ISO/OSI Modell). Schon bei der Einführung in die Planung (von Datenbanken) wird klar, dass es ohne größeres Spezialwissen um SQL, um Relationen und Views keine sauber funktionierende Lösung geben kann. Einige Inkonsistenzen leistet sich der Autor leider: so wird auf Seite 4 zwar zugegeben "ActiveX-Komponenten wird aber nicht ganz zu Unrecht mangelnde Sicherheit nachgesagt.", warum aber der Autor sich ab Seite 539 praktisch die zweite Hälfte des Buches nur auf ActiveX konzentriert, bleibt dann ein nicht erklärter Kontrast.
  Ein ähnlicher Lapsus passiert ab Seite 371, wenn sehr schön in HTML eingeführt wird und beliebte Skriptsprachen (ActiveX, JavaServerPages, PHP) erwähnt werden. Deren Ausgabeformat ist natürlich HTML, aber der Autor verschweigt schlicht, dass es die fatalen Mängel von HTML sind - besonders fehlende Schleifenkonstrukte - die erst die Notwendigkeit von Skriptsprachen entstehen läßt.
  Schön sind dann wieder die Kapitel, in denen Visual Basic und VBS als Sprachenstandards für Entwickler vorgestellt werden - sogar mit Debugger-, leider fehlt hier (noch) der Ausblick auf die von Microsoft heftigst propagierte .NET-Technologie. Auch die zahlreichen Skripte, Abbildungen und Tabellen hinterlassen den etwas schwierigen Eindruck: mit soviel Software sollte doch mehr möglich sein?
  Die dem Buch beiliegende CDROM enthält die post-relationale Datenbankengine Caché. Weil das Buch keine grundlegenden Informationen zu post-relationalen Datenbanksystemen enthält, dürfte der Mehrheit der Leserschaft hieraus viele unbeantwortete Fragen, jedoch kein allzu grosser Nutzen entstehen, zumal Caché eher zu den Exoten im Datenbanksektor zählt.
 
  Fazit: Scheibl bringt auf beinahe eintausend Seiten und mit zahlreichen Screenshots seinen Leser ein erstes Verständnis von Datenbanken und Webseiten bei - leider bleibt dies aber an der Oberfläche. Tieferreichende Potentiale von Datenbanken – stored procedures oder triggers etwa - oder die ganze Komplexität eines Webservers bleiben im Dunkeln. Wer vorzugsweise auf der Microsoft-Plattform eigene kleinere Projekte mit der hauseigenen Access-Datenbank realisieren möchte, wird dieses Buch mit einigem Gewinn lesen - deshalb nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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