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Hermann Burger
Tractatus logico-suicidalis
Über die Selbsttötung

Fischer
1988


Von Volker Frick am 03.07.2003

  Hermann Burger, seines Zeichens Schriftsteller, schrieb vorab, “daß es sich beim Tractatus logico-suicidalis (...) um eine ausführliche, aus 1046 Mortologismen bestehende Ankündigung handle”, und so ist dieses Buch “Über die Selbsttötung”, wie der Untertitel lautet, eine durchaus interessante Lektüre, zumal der Autor sich, nachdem das Buch 1988 erschienen war, im Februar des folgenden Jahres suizidierte.
  Also wäre darüber zu sprechen, welches sind die Gründe, damit ein Mensch diesen Schritt tut, Hand an sich legt. Burger erwähnt und zitiert natürlich des öfteren Jean Amery und dessen Buch “Hand an sich legen”. Burger erwähnt Hermann Hesse, “Der Steppenwolf”, der ähnlich Nietzsche der Illusion nachhing, das allein der Gedanke an diesen pseudoautarken Schritt prophylaktische Wirkung habe.
  Wenn ich es recht erinnere, war der Titel des ersten Buches von Hermann Burger “Rauchsignale”, Gedichte. Bei aller zurückhaltender Einschätzung dessen, was unter dem Signum Suizidprävention firmiert, hätte die Wahrnehmung doch so recht gar nichts einwenden können. Ist doch zum Beispiel die klinische Diagnose der endogenen Depression durchaus das beste Ticket.
  Hermann Burger war nicht 47 Jahre alt, als er sich das Leben nahm in dem er sich den Tod gab. Ob Freitod, ob Selbstmord, dieser ätherisch-ethischen Haarspalterei widmet er kein Wort, zumal, und da lästert er auch schön, die Nachbeter jeglicher Religion das Leben als ein Geschenk Gottes verkaufen: Geschenk ist Geschenk. Und für unseren Kulturkreis mag hinfort gelten: ein Gott, der seinen Sohn ans Kreuz nageln lässt, ist ein Sadist.
  Also wäre darüber zu sprechen. Aber da die Profis so lax die Weisheit mit dem Löffel fressen, stemmen sich in diesem Buch Annotationen zum Suizid auf gegen seine herkömmlichen Konnotationen. 1 Es gibt keine natürlichen Tod. 994 Die anorganische Materie kennt den Tod nicht. 999 Der äußerste Fluch lautet: “Ich bin das Karzinom Gottes.”
  Wenn das Buch auch hier und da Schwächen hat, ich würde es Durchhänger nennen, so stellt sich bei der Lektüre durchaus ein hoher Grad an Unterhaltung ein. Es ist ein erhellendes Buch, gerade auch als Einblick in die Verdunklungsgefahr des vermeintlichen All-tags. Kein schönes Thema, Tabu gar, und so kaum verwunderlich: das Buch ist nicht lieferbar und auch antiquarisch nur schwer zu erwerben. Wer suchet, der findet.

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