Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Peter Horn
Die Regeln des Verhaltens
Mit Illustrationen von Savio

Macondo
2003
194 Seiten


amazon.de

 

 

Von Alfred Ohswald am 06.06.2003

  Im aktuellen Buch präsentier Peter Horn sieben Erzählungen, die bis zu einem gewissen Grad etwas gemeinsam haben. Immer sind die Hauptfiguren Außenseiter in mehr oder weniger stark ausgeprägter Form.
 
  Der junge und der alte Bauer, die sich in der ersten Geschichte „Die Grenze“ um ein schmales Stück land streiten, sind noch nicht wirklich ungewöhnliche Charaktere. Solche in verschiedenen Welten lebende Menschen sind in ländlichen Gegenden sicher nicht so selten anzutreffen. Bei dieser Geschichte fällt der Schreibstil positiv auf. Ohne im Dialekt zu schreiben, trifft Peter Horn den Ton sehr gut. Besonders die Worte und Gedanken des alten Bauern wirken trotz Hochdeutsch authentisch.
  In der titelgebenden, zweiten Geschichte „Die Regeln des Verhaltens“ spielt der junge, gutaussehende Friseur Christian die Hauptrolle. Um den Hänseleinen wegen vermeintlicher Homosexualität entgegenzuwirken, ist er in den Discos als Mädchenaufreißer besonders aktiv. Sein gutes Aussehen und sein Traum von einem eigenen Auto sollten ihm schließlich zum Verhängnis werden.
  Die Charaktere werden in den späteren Erzählungen zunehmend extremer. So erleiden ein Mädchen mit einer Plastikhand, deren Liebe von ihrem Auserwählten nicht erwidert wird, ein Mädchen, das einem Sadisten hörig wird, ein ungeliebter und ausgestoßener Junge, der eine gute Tat mit Verrat vergilt und ein fetter Junge, der unter der Kuratel seiner dominanten Mutter steht, ein schon sehr deftiges Schicksal.
  Erst die beiden Jungen, die eine Leiche im Wald entdecken und sie, anstatt den Fund zu melden, in ein Versteck schleppen, sind wieder relativ normale Charaktere. Diese Erzählung ist auch die Einzige mit einem versöhnlichen Ende.
 
  Es sind alles dunkle Geschichten, die ohne Probleme in eine Horroranthologie passen würden, wenn nicht so viel Mitgefühl des Autors mit den traurigen Schicksalen fühlbar wäre. Peter Horn reichen allerdings Menschen vollkommen, er braucht nicht auf Übersinnliches zurückzugreifen. In „Rituale“, der Geschichte mit dem fetten Jungen, teilt er sogar einige ironische und treffende Seitenhiebe auf die Esoterikerszene aus.
  Wie in Peter Horns Vorgängerbuch „Die Farbe des Sommers“, spielen auch die Erzählungen im ländlichen Raum oder in der Kleinstadt. Und wieder gelingt es ihm hervorragend, die Eigenheiten und das Lebensgefühl jenseits romantischer Klischees einzufangen.
  Wer nicht mit sehr negativen und traurigen Enden ein Problem hat, sollte mit diesen Erzählungen nicht viel falsch machen können.

 

 

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.