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Wolf Haas
Das ewige Leben

Hoffmann & Campe
2003
220 Seiten
€ 17,90 [D] 18,50 [D]


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Von Rudolf Kraus am 28.04.2003

  Simon Brenner, altbekannter Ex-Polizist, Privatdetektiv und inzwischen schon kultige Hauptfigur seines Schöpfers Wolf Haas, kehrt in seinem letzten Buchauftritt („Sag niemals nie“) in seine Heimatstadt Graz zurück. Genauer gesagt nach Puntigam, wo auch das Arnold-Schwarzenegger-Stadion liegt, Heimatstätte der Grazer Traditionsklubs Sturm Graz und GAK.
  Nun seine Rückkehr ist alles andere als glücklich, was eingefleischte Brennerfans nicht schrecken würde, aber dieses Mal bekommt er eine Kugel direkt in den Kopf verpasst. Alles sieht dabei nach Selbstmord, Abgang aus einem unerfüllten Leben aus, wenn nicht dieser Brenner wie durch ein Wunder überlebt hätte. Aus dem Koma am Neujahrsmorgen erwacht, verlässt er viel zu früh das Krankenhaus und begibt sich auf die Suche seines vermeintlichen Mörders. Dass ihm niemand seine Geschichte glaubt, muss eigentlich gar nicht erwähnt werden. Und dass gerade die Grazer Kripo ihn aus den Weg räumen wollte, macht seine Geschichte auch nicht glaubwürdiger.
  Die Begegnung mit seinen alten Polizeischulfreunden, mit denen er vor 30 Jahren eine Bank überfallen hatte, lässt ihn immer tiefer in eine Mischung aus den Flüchen der Vergangenheit und den Sümpfen der Gegenwart eintauchen. Er gerät an eine Zigeunerin, die ihm nichts Gutes aus der Hand liest, zwei Mordzeugen, die längst selbst unter den Toten weilen, und an quicklebendige, selbsternannte Privatpolizisten der Grazer Bürgerwehr (klingt nach Realsatire, wenn man das politische Scheitern der FPÖ-Bürgerwehr in Graz betrachtet), die allerdings nach der Brenner’schen Begegnung ziemlich indisponiert wirken. Im Finale, das wie die ganze Geschichte, von einem Ich-Erzähler witzig, pointenstark und mit einer sprachverstümmelten Dings-Komik bruchstückhaft aber ausgesprochen unterhaltsam geschildert wird, setzt Wolf Haas zu einer Hochform an. Nahezu durch den Schusskanal in Brenners Kopf wird diese Szene empfunden, wobei das Innere dieses durch und durch verletzten und hochsensiblen Kerns gleichzeitig als Grazer Stadtführer dient, und muss nicht der heldenhafte Sieger Brenner heißen: Loch in Kopf und Hand, von Splittern gekennzeichnet, halb gelähmt und blind und seit Tagen ohne Schlaf.
  Wenn es nicht das definitive Ende Brenners wäre, würde ich meinen, alles Gründe für ein grandioses Comeback.

 

 

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