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Kurt Vonnegut
Schlachthof 5
oder Der Kinderkreuzzug

Rowohlt
€ 6,50 [D]


Von Volker Frick am 04.03.2003

  Der amerikanische Schriftsteller Kurt Vonnegut wurde am 11.11.1922 in Indianapolis geboren. Sei zweites in Deutschland erschienenes Buch war der Roman “Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug”. Er erreichte die deutsche Leserinnenschaft bereits ein Jahr nach der Erstveröffentlichung im Jahre 1969.
  Da die Literatur in den Zeiten der Luftangriffe von der medial vermittelten Propaganda in den Hintergrund gedrängt zu werden scheint, und ein debiler nicht gewählter amerikanischer Präsident mit orwellschem Double-Talk Krieg als Frieden verkauft, da bleibt also für den Moment nur der Verweis auf dieses kleine feine Buch.
  Die Verkennung von Kurt Vonnegut als Clown des schwarzen Humors ist eine unerlaubte Verkürzung. Er erlebte 1945 als Kriegsgefangener die Zerstörung Dresdens, eine Erfahrung, die er mit dem Protagonisten Billy Pilgrim seines Buches gemein hat. Die Luftangriffe der Allierten sollten den Krieg verkürzen. 135.000 Menschen überlebten sie nicht. So geht das.
  Billy Pilgrim kann durch die Zeit reisen, er geht aus dem Schlafzimmer ins Bad, und findet sich Jahre früher an einem anderen Ort wieder. Und kehrt geraume Zeit später zurück, ohne das jemand etwas bemerkt. Denn es gibt keine Zeit, alles ist hier und jetzt. Und das erfährt unser Antiheld nachdem er von einem UFO zum Planeten Trafalmadore entführt worden ist und dort in einer Art Zoo ausgestellt wird. Als er wieder zurückkehrt wird ihm klar, das keine Zeit vergangen ist. Alles ist hier zugleich und immer. Ziemlich lesbar geschrieben, wenn auch der Autor von der Erzählweise dieses Romans als einer “telegraphisch-schizophrenen” spricht. Obwohl, das trifft’s auch. Saloppe Assoziationscollage aphoristischer Diskontinuität vielleicht auch. Denn eigentlich ist Billy Pilgrim Optometriker. Als er nach einem Fluzeugabsturz als einziger Überlebender im Krankenhaus liegt, verursacht seine Frau auf dem Weg zu ihm einen Autounfall, verstirbt kurze Zeit später, als sie das Krankenhaus erreicht. So geht das. An der Stossstange des Wagens klebt ein Aufkleber: “Wählt Reagan als Präsident!”
  Die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 ist bestimmendes Moment dieses Buches. Billy Pilgrim überlebt sie er als kriegsgefangener US-Soldat im Kühlhaus eines Schlachthofs. Aber er ist jung und fatalistisch angesichts der brutalen Absurdität des Ereignisses, er ist hoffnungslos. Andererseits ist seine Geschichte, dieser Roman, ein glasklarer Appell jedweden Kriegsherren den Marsch zu blasen, ihn in die Wüste zu schicken, ihn auf den Mond zu schiessen, ihm jedenfalls keinerlei Respekt zu zollen.
  Ein bitterböses satirisches Antikriegsbuch, auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges erschienen, ist es mit seinem sprachlich treffsicheren Tonfall bis heute aktuell und zeitgenössisch, dabei eben auch zeitlos. So ist das. Und wenn an einer Stelle dieses Romans der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt zitiert wird, dann ist es natürlich unausweichlich an den derzeitigen Buschkrieger im Weißen Haus zu denken: “Ich könnte einen besseren Mann aus einer Banane schnitzen.”

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