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Erich Maria Remarque
Im Westen nichts Neues
(1928)

Kiepenheuer & Witsch
1998
219 Seiten
€ 6,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 25.02.2003

  Der 19jährigen Paul Bäumer meldet sich bei Kriegsbeginn 1914, von seinem Lehrer gedrängt, mit seiner ganzen Klasse freiwillig zum Militär. Nach einer Ausbildung voller Schikanen kommen sie zusammen an die Front, mitten in den Menschenverschlingenden Stellungskrieg in Frankreich. Ein ehemaliger Schulkamerad nach dem Anderen fällt oder wird verwundet und ihre Kompanie schrumpft in erschreckendem Tempo.
  Fronteinsätze unter ständigem Trommelfeuer der Artillerie, Angriffen und Gegenangriffen wechseln sich mit Ruhephasen mit Fressen und Faulenzen hinter der Front ab. Ständig sind die schlecht verpflegten Soldaten auf der Suche nach Essbaren. Der 40jährige Katczinsky ist zu ihrem Glück ein genialer Organisator. Mit ihm verbindet Paul eine tiefe Kameradschaft und gemeinsam überleben sie immer wieder gegen alle Wahrscheinlichkeiten die Fronteinsätze.
 
  Schnörkellos und präzise beschreibt Remarque das Leben der einfachen Soldaten in der Hölle des 1. Weltkrieges. Hemingway wurde als Sprachrohr der verlorenen Generation berühmt, die in ihrem kurzen Erwachsenenleben nichts als den Krieg kennen gelernt hat und dadurch ihre Wurzeln in der Gesellschaft verloren hat. Remarque beschreibt diese Entwurzelung deutlicher und genauer.
  Die jungen Soldaten kommen im Privatleben nicht mehr zurecht, sie verstehen sich nur mehr mit ihren Kameraden, die das Gleiche wie sie durchgemacht haben. Beim Heimaturlaub fühlen sie sich wie in der Fremde. An der Front verwandeln sie sich in Automaten, die nur vom Überlebensinstinkt geleitet werden. Nur die älteren Soldaten, auf die Familie und Beruf zu Hause warten, kommen damit meist besser zurecht.
  Gerade der 1. Weltkrieg brachte die eindrucksvollsten Warnungen in der deutschsprachigen Literatur hervor. Neben Remarque ist Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ das bekannteste Beispiel. Und trotzdem dauerte es nicht lange, bis Deutsche und Österreicher Hitler erneut bereitwillig in einen erneuten Krieg folgten. Ein frustrierendes Beispiel an den geringen Einfluss der Kunst auf das Denken der Menschen.

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