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Alfred Komarek
Polterabend

Haymon
2003
191 Seiten
€ 17,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 13.02.2003

  Simon Polt, Gruppeninspektor der Gendarmerie in einem weinviertler Ort, hilft bei klirrender Kälte dem Weinbauern Fürnkranz bei der Weinlese für den Eiswein. Als sie die gefrorenen Trauben pressen wollen, bemerken sie Blut im heraus rinnenden Most. In der alten Holzpresse finden sie eine festgefrorene Leiche. Es handelt sich um Ferdinand Lutzer, einem schon etwas in die Jahre gekommenen, leichtlebigen Hallodri. Mit Gelegenheitsarbeiten und Schnorren hat er sich durchs Leben geschlagen, immer hinter den Frauenröcken her.
  Polt beginnt sich umzuhören und ihm fällt der häufig betrunkene Sohn des Weinbauern Fürnkranz auf, der sich oft mit zwielichtigen Typen herumtreibt. Auch das Mordopfer Lutzer hatte mit diesen Typen zu tun, die jenseits der Grenze in Znaim allen möglichen illegalen Geschäften nachgehen.
  Aber auch die Vergangenheit scheint etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Fürnkranz hatte auch eine Tochter, die weggeheiratet hat. Polts Freundin, die Lehrerin Karin, scheint etwas darüber zu wissen, kann sich aber nicht überwinden, Polt davon zu erzählen.
 
  Der vierte und aller Voraussicht letzte Weinviertel-Krimi mit dem unspektakulären Gendarmen Simon Polt bietet, wie seine Vorgänger, eine Menge Lokalkolorit. Die wenigen, verbliebenen Weinbauern arbeiten meist mehr aus Liebhaberei, denn als Broterwerb.
  In „Polterabend“ spielt zum ersten Mal die nahe liegende Grenze zum einstigen Ostblock eine wichtige Rolle. Hier die ruhigen, im Niedergang begriffenen kleinen Ortschaften und drüben das aufstrebende Geschäftsleben mit einer Menge zwielichtiger Machenschaften.
  Auch Polt selbst neigt, nicht zuletzt durch einen neuen Postenkommandanten, zur Resignation. Er war ein Bestandteil der alten Weinbaugemeinde mit ihrer typischen Kellergasse und fühlt sich durch deren langsames Verschwinden zunehmend deplaziert. Am ehesten lässt sich Polt als Typ wohl mit Simenons Maigret vergleichen, obwohl das Umfeld völlig anders ist.
  Stilistisch hat sich Komarek eher gesteigert, vor allem seine kurzen und prägnanten Dialoge sind hier wirklich gelungen und passend. Der Charakter des eher wortkargen Menschenschlags wird damit für den Leser noch deutlicher herausgearbeitet.

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