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Rudi Dix / Heinz Gebhardt
Kindheit in München in den 50er Jahren

Wartberg Verlag
1997
64 Seiten
€ 16,80 [D]


Von Richard Niedermeier am 30.01.2003

  Kindsein in einer Trümmerstadt – wer kann sich das heute noch vorstellen? Kinder, die in Bombentrichtern spielen, auf Schuttberge klettern, sich in Ruinen verstecken oder beim großen Aufräumen mithelfen; wie unermeßlich weit ist doch die Distanz zwischen einem Kinderleben eine Dekade nach dem Zweiten Weltkrieg und heute in der Wohlstands- und Überflußgesellschaft.
  Der Münchener Photograph Rudi Dix (geb. 1924) hat unzählige Kinderphotos aus dem München der 50er Jahre gesammelt, Heinz Gebhardt, ebenfalls Photograph und zu dieser Zeit selbst noch ein Kind, hat die besten davon ausgewählt und, mit ganz prägnanten Texten versehen, in einem Bildband veröffentlicht, dem man mit Fug und Recht das Prädikat eines Zeitdokumentes zusprechen darf.
  Dix stellt die Kinder so vor, wie sie sind: ganz natürlich, spontan beim Spielen, beim Balgen und Herumtollen, auf der Straße, auf dem Schulweg oder auf Festen, träumend versunken vor einem Schaufenster oder beim einträglichen Putzen eines „Ami-Schlittens“.Wer nur ein wenig in diesem Buch blättern, gewinnt – gleich ob er diese Zeit selbst miterlebt hat oder ein Nachgeborener ist – ein Herz für diese jungen Menschen.
  Ohne Zweifel, sie waren zufriedener, vielleicht auch glücklicher als die meisten Kinder heute, für die Fernseher und Computer zum Elternersatz geworden sind. Es sind – trotz der Not der Zeit - auffallend viele lachende Gesichter, die man hier sehen kann. Und sie sagen uns, daß Glücklichsein, kindliche Freude nicht unbedingt eine Sache des materiellen Wohlstands sein muß.
  Wie schön ist es doch, wenn man sich über ein einfaches Eis noch so freuen kann, weil Magen und Geschmack noch nicht übersättigt sind; wenn man zeitvergessen auf dem Gehsteig miteinander „Dame“ (nicht Halma, wie der Text zum Bild irrtümlich meint) spielen kann, weil man nach dem Elternwillen nicht Professor oder Bundeskanzler werden muß, oder einmal in den Sommerferien in den Zoo darf, statt sich auf verstopften Autobahnen Richtung Teutonengrill zu bewegen.
  Was aber am meisten erstaunt: Wie jung doch diese geschundene Stadt in ihren Kindern war, wieviel Lebensmut und Kraft in ihr steckte. Keine Spur von Vergreisung, Aufbruch und Zukunft überall; man begreift, daß das Leben eines Volkes eben doch in seinen Kindern ist.
  Deshalb wäre es auch ganz verfehlt, in dieser Sammlung von Bildern nur einen Ausbruch von Nostalgie zu erkennen oder ihr nur eine zeithistorische Bedeutung zuzumessen. Nein, dieses Buch macht auch Mut, sich nicht von den überbordenden düsteren Prognosen bestimmen zu lassen, sondern auf das junge Leben zu setzen.

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