Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Heinz Marecek
Das ist ein Theater!
Begegnungen auf und hinter der Bühne

Residenz Verlag
2002
223 Seiten
€ 19,90


Von Johann F. Janka am 23.01.2003

  Theaterdirektor Ernst Haeusserman auf die Nachricht, dass Marianne Nentwich ein bisserl später zur Probe kommt,...“weil sie zu Hause die Stiegen runter geflogen ist“. Darauf Haeusserman: “Das versteh’ ich nicht, da müsste sie ja ein bisserl früher kommen.“
  Marecek hat noch mit zahlreichen „großen Alten“ des österreichischen Theaters gearbeitet. Und gerade diese Anekdoten von zum Teil leider auch schon längst verstorbenen Granden der Schauspielkunst zählen zu den besten. Fritz Kortner, Ernst Haeusserman, Géza von Cziffra, Roul Alsan, Adrienne Gessner, Josef Meinrad, Franz Stoß, Kurt Heintel, Alfred Böhm, Peter Ustinov, Kurt Sowinetz, Ernst Waldbrunn und Otto Schenk -, um nur einige im Werk vorkommenden Namen zu nennen. Kurz gesagt, das who-is-who des österreichischen Theaters.
  Besonders die drei letztgenannten prägten den jungen Schauspieler Heinz Marecek und spielten auch in seinem Privatleben bedeutende Rollen. Natürlich ohne Alfred Böhm zu vergessen, dem Marecek stark verbunden war. Den „großen“ Otto Schenk - er unterrichtete damals am Reinhardt-Seminar – bezeichnet Heinz Marecek als seinen wichtigsten Lehrer.
 
  Ohne auf Klatsch einzugehen oder persönlich zu werden fischt der Autor in dem schier unerschöpflichen Gewässer der Bretter, die die Welt bedeuten, und sein Fang lässt sich sehen. Unterhaltung auf hoher „Theater-Ebene“, Bonmots ohne Ende. So erzählt er von „Ausrutschern“ während der Vorstellung, von nur so von Selbstbewusstsein strotzenden Stars, die jedoch kaum in der Lage waren ihren Text auf der Bühne zu sprechen und obendrein noch die Souffleuse schalten und trotzdem, oder – wer weiß – vielleicht gerade deshalb vom Publikum so verehrt wurden. Und von Kollegen die mit ihren Charme, Geistesblitz und Wortwitz ins Trudeln gekommene Situationen auf der Bühne bravourös retteten.
  Den legendären Stammtischrunden, wie jener Haeussermans, widmet Marecek ebenfalls großes Augenmerk. Waren doch diese von Humor getränkten Zusammenkünfte besonders für junge Schauspieler ein Quell an Informationen über die Branche sowie der immer willkommenen, gut brauchbaren Beziehungen.
  Noch zu erwähnen wäre seine Freundschaft zu Friedrich Torberg, der übrigens auch gelegentlich an Haeussermans Stammtisch teilnahm. Darüber hinaus kam Marecek mit Torberg öfters in der „Fledermaus“ – damals eine berühmte Bar in Wien – zusammen und schwärmt heute noch von den Geschichten, die der leidenschaftliche Erzähler Torberg von sich gab.
 
 
  Marecek schöpft aus dem Vollen. Nicht nur seine 27 jährige Zugehörigkeit zum Theater in der Josefstadt und seine Vielseitigkeit als Darsteller und Regisseur verhalfen ihm zum Aufbereiten dieses Stück Theaters in Buchform, sondern ebenso seine Liebe zum Theater und zu den Menschen, sein Sinn für Humor und seine Leidenschaft für die Schauspielerei.
  Obwohl Heinz Marecek mit „Das ist ein Theater!“ nicht unbedingt seine Memoiren verfasst hat, liest sich sein Werk doch auch als Lebensgeschichte. So schreibt er auch über seine Kindheit, Jugend und über sein Elternhaus. Sein Einstieg in die Schauspielerei, seine Ausbildung am Reinhardt-Seminar sowie die Stationen seines Lebens als Künstler ziehen sich als begleitender Leitfaden durch das Buch, das jedoch allen voran das Theater selbst, seine Künstlerkollegen und –kolleginnen und besonders seine Freunde in den Vordergrund stellt.
 
  Autor Heinz Marecek präsentiert mit „Das ist ein Theater!“ nicht nur tiefe Einblicke in die Welt des Theaters und in sein Leben als Künstler und Privatperson. Er zeigt dem Leser in sympathischer Weise auch die menschlichen Seiten vieler seiner Schauspielkollegen, Regisseure, Direktoren und Theatermacher. Wer sich Schmutzwäsche übers Theater und/oder der Menschen dort erhofft oder erwartet, sollte zu anderen Büchern greifen. Wer aber in die Welt des Theaters eintauchen möchte und im Besonderen an heiter betrachteten „Begegnungen auf und hinter der Bühne“, der letzten 40 Jahre interessiert ist, wird von „Das ist ein Theater!“ begeistert sein.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.