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B. Traven
Die Rebellion der Gehenkten
(1936)

Diogenes
2000
326 Seiten
€ 9,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 09.10.2002

  Der Indio Candido lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen auf einem kleinen, unfruchtbaren Stück Land in Mexiko und schlägt sich gerade so durchs Leben. Als eines Tages seine Frau krank wird, geht er mit ihr in die nächstgelegene Stadt. Dort erfährt er vom Arzt, dass seine Frau einen Blinddarmdurchbruch hat und unbedingt operiert werden muss. Die Operation kostet allerdings 200 Pesos, weit mehr als Candido irgendwo auftreiben kann. Hilflos und planlos streift er durch die Stadt und läuft einem Agenten über den Weg, der Arbeiter für Holzfällerlager anwirbt. Dabei wird den Indios Geld vorgesteckt, das sie als eine Art Leibeigene über Jahre abarbeiten müssen. In seiner Verzweiflung lässt sich Candido auf einen solchen Kontrakt ein und geht mit dem Geld zurück zum Arzt. Doch seine Frau ist inzwischen gestorben.
  Der Agent zwingt Candido mit Hilfe der Polizei, seinen Vertrag trotzdem zu erfüllen. So landet Candido mit seinen ihn begleitenden zwei Jungen und seiner jüngeren Schwester in einem Trupp Indios, die in den Dschungel marschieren.
  In den Holzfällerlagern geht es unvorstellbar grausam zu. Durch Auspeitschen werden die Indios genötigt eine kaum zu schaffendes Tagespensum bei unmenschlichen Lebensbedingungen zu schaffen. Als das Auspeitschen nichts mehr hilft, führen die Patrones das noch viel grausamere „hängen“ ein. Und Flucht ist sinnlos. Die Flüchtenden werden fast immer wieder eingefangen oder sie fallen dem Dschungel zum Opfer.
 
  B. Traven behandelt in seinen Büchern das Schicksal der untersten Gesellschaftsschicht. Hier sind es die fast rechtlosen Indios in der Diktatur im Mexiko der Zwischenkriegszeit. Sein Stil ist direkt und ohne jede Schnörkel oder literarische Ausschmückungen. Die Dialoge seiner Protagonisten wimmeln geradezu von Flüchen.
  In „Die Rebellion der Gehenkten“ hat er sich allerdings von seiner Begeisterung für die Revolution hinreißen lassen und lässt sich ein wenig zu ausführlich dazu aus. Das führt dazu, dass diese Passagen mit immer ähnlichen Ausführungen irgendwann beginnen den Leser zu langweilen. Auch sein unromantischer Blick auf seine Figuren ist hier nicht so ausgeprägt, wie z. B. in „Der Schatz der Sierra Madre“. Vielleicht liegt es daran, dass ihm das Wesen der Indios nicht so klar ist, wie bei Figuren seines eigenen Kulturkreises. Der erste Teil des Buches, wo es mehr um das persönliche Schicksal von Candido geht, ist eindeutig besser gelungen.
  Trotzdem bleibt es ein sehr eindrucksvoller Roman über die Grausamkeit und Verachtung, die der Mensch gegenüber seinen Mitmenschen fähig ist.

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