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Wolfgang A. Gogolin
Karawane des Grauens

BoD
2002
207 Seiten
€ 11,90 [D]


Von Jens Dau am 03.09.2002

  Niemand geht gerne aufs Amt, Beamte auch nicht. In ironischer Weise ist es Gogolin in seinem Erstlingswerk gelungen, viele Anekdoten aus dem Behördenalltag so perfekt zu einem amüsant-tiefgründigen Roman zu verweben, dass sich der Leser zuweilen vor Lachen auf die Schenkel schlagen möchte. Auch wenn gelegentlich das Lachen im Halse stecken bleiben will, so dicht an der Realität und gleichzeitig irrwitzig absurd scheinen die einzelnen Figuren gezeichnet. Skizzierte Erzählung wäre für das Buch „Karawane des Grauens“ eine treffendere Bezeichnung als Roman.
  Sachkundig beschreibt Gogolin Amtsabläufe, ohne dass nur eine Minute Langeweile aufkäme, viele der mit Liebe zum Detail geschilderten Erlebnisse kann fast jeder aufgrund eigener, leidvoller Behördengänge nachempfinden.Das Buch macht aber auch Mut, zeigt es doch die menschliche Seite hinter unkündbarer, scheinbar ewig steifer und bürgerfeindlicher Beamtenmentalität. Es gibt Trinker, Spieler und unerträgliche Aufschneider, aber auch Beispiele bemerkenswerten Miteinanders, wenn neben aller Schadenfreude wegen allzu menschlicher Schwächen auch das gelebte Mitgefühl nicht zu kurz kommt.
 
  Trotz der auf den ersten Blick trocken und langweilig anmutenden Thematik Amt und Behörde lässt sich das als Taschenbuch erschienene Werk in einem Zug durchlesen, man möchte die spannende, teilweise auch ein wenig verstörende und unebene Geschichte unbedingt weiterverfolgen. Der Autor, selbst jahrelang im öffentlichen Dienst tätig, hat keine nur erfundene Fantasiegeschichte aufgeschrieben oder altbekannte Beamtenwitze nacherzählt, sondern kann auf eigene, komische und leidvolle Erfahrungen in diversen Behörden zurückblicken und tut das in höchst origineller Weise, dabei keineswegs immer politisch korrekt. Sexuelle Verklemmungen und Frauenbeauftragte werden in Gogolins fachkundigem Blick hinter die Amtskulissen lustvoll böse und bewusst intolerant aufs Korn genommen, ein intellektuelles Lesevergnügen ! Nach der Lektüre wird jeder Leser mit Sinn für schrägen Humor sein eigenes Amt um die Ecke mit völlig anderen Augen sehen. Und Beamtenwitze mit völlig anderen Ohren hören.

Von Gregor Mandel am 10.09.2002

  Unter dem Titel „die Karawane des Grauens“ veröffentlichte der weitgehend noch unbekannte Autor Wolfgang A. Gogolin einen Roman , in dem „die Behörde“ mit ihren für den Außenstehenden mitunter bizarren Strukturen Hauptthema ist. Er verbindet dies mit einer folgenreichen Verknüpfung menschlicher Schicksale. Wir alle fragen uns manchmal, was hinter den Türen jener Ämter wohl vor sich geht, vor denen wir in unbeheizten Gängen mitunter längere Zeit sitzen. Die schmuddeligen Wände mit bunten Plakaten versehen, die dem Behördengänger versichern, „Kunde“ und damit „König“ zu sein. Dabei ist man schon froh, nur... „der Nächste bitte“ zu sein. Wird uns die Zeit auch lang, machen wir uns selten Gedanken darüber, ob sich hinter der Tür unserer Behörde, unseres Finanzamtes, unseres Sozialamtes nicht Merkwürdiges ereignet. Zum Beispiel: eine schillernde Szenerie aus unverdrängten Jugendtraumata, verborgenen sexuellen Wünschen und bizarrem Machtgehabe.
  Der Autor beschreibt präzise, wie Menschen mit psychischen Krankheitsbildern, die sehr zu Sorge Anlass geben, in den Machtstrukturen des Alltags als Vorgesetzte agieren oder als Untergebene ihr Dasein fristen. Die Hirachie wird benutzt und missbraucht. Nur Starke erheben sich , werden dafür gemaßregelt, mundtot gemacht. Während Schwächere still vor sich hin leiden.Möglicherweise gar nicht einmal behördenspezifisch, sondern auch Sittenstudie einer Gesellschaft, die sich menschlicher Probleme lieber entledigt, sie verschweigt und alte Machtstrukturen gegen sozialen Fortschritt setzt. Der Autor wechselt geschickt zwischen Humor, Zynismus und eigener Betroffenheit, mit der er die spannende Geschichte entwickelt, um in dichter Atmosshpäre das ganze Elend des menschlichen Umganges in der Berufswelt zu beschreiben. Ein Elend, das sich in Lebenslügen und Scheinwelten entlädt, um aus einer Realität zu entschwinden, der der Einzelne nicht mehr gewachsen ist oder sein will. Ein beeindruckender Roman , der als Zeitzeugnis einer Gesellschaft dient, in der nur noch wettergeübte Segler das raue soziale Klima überstehen, dass zwischenzeitlich in diesem Land Einzug gehalten hat . Ein Buch, das sich hervorragend als Geschenk für öffentlich Bedienstete, Beamte oder auch echte Beamtenhasser eignet – jeder wird Argumente finden!

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