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Ian McEwan
Abbitte
(Atonement, 2001)

Diogenes
2002
Übersetzt von Bernard Robben
535 Seiten
€ 24,90 [D] 25,60 [A] sFr 42,90


Von Alfred Ohswald am 30.08.2002

  1935 auf einem Landsitz in England bereitet die 13-jährige Briony Tallis die Aufführung eines selbst geschriebenen Theaterstücks zum Besuch ihres älteren Bruders zu Hause vor. Die Schwester ihrer Mutter will sich scheiden lassen und hat ihre drei Kinder über den Sommer zu ihnen geschickt. Das Mädchen ist älter als Briony, die beiden Jungen, Zwillinge, sind ein paar Jahre jünger. Mit ihnen will Briony ihr Theaterstück vorspielen, was sich jedoch bald nicht in ihrem Sinne entwickelt.
  Brionys ältere Schwestern Cecilia und Robbie, der Sohn der Putzfrau der Familie, beginnen zu bemerken, dass sich ihr Verhältnis zueinander geändert hat. Robbie wuchs bei der Familie Tallis auf und wird vom Vater Brionys bei seinem Studium finanziell gefördert. Beide reagieren verwirrt auf ihre Gefühle und ein missverständlicher Brief scheint die Sache noch schlimmer zu machen. Zu allem Übel hat Briony den Brief gelesen, den sie nur überbringen sollte, und hält Robbie für einen gefährlichen Unhold. Als sie ihn mit ihrer Schwester in der Bibliothek überrascht, fühlt sie ihren Verdacht erst recht bestätigt. Als sie kurz darauf Zeuge eines Verbrechens wird, bei dem sie aber den Täter nicht klar erkennen kann, beeinflusst diese Überzeugung ihre Aussage und verändert Robbies und Cecilias Leben unwiderruflich.
  Bald bricht der 2. Weltkrieg aus und Robbie befindet sich unter den britischen Soldaten, die sich in Frankreich auf einer chaotischen Flucht nach Dünkirchen befinden, um von der Marine vor der Umzingelung der Deutschen gerettet zu werden. Cecilia ist Krankenschwester geworden und auch Briony beginnt mit der Ausbildung zu diesem Beruf.
 
  McEwan beherrscht die Sprache und Charakterzeichnung mit traumwandlerischer Sicherheit. So gelingt es ihm, den Leser in seinen Bann zu ziehen, wenn auch gerade sehr wenig passiert. Am Anfang von „Abbitte“ tröpfelt das Leben auf dem Landsitz harmlos dahin. Harmlose Ereignisse füllen die Seiten, die Stimmung zu beschreiben ist das Hauptanliegen des.Autors. Jane Austen stand vermutlich Pate bei dem Roman. Fast die Hälfte des Buches braucht es, bis McEwan zum entscheidenden Ereignis kommt.
  McEwans Talent im Erzählen und sein Beherrschen der Sprache bewirken meist, dass das Buch nicht langweilig wird. Aber der Stoff würde sich sicher besser als Erzählung eignen, in einem über 500 Seiten langen Roman wirkt es über seine natürliche Größe ausgedehnt und aufgeblasen.
  Die katastrophale Wirkung einer nicht absichtlichen Lüge und die Möglichkeit des Verzeihens stehen über weite Teile im Mittelpunkt des Romans. Am Ende ist es aber die Macht des Erzählens, also vor allem des Schriftstellers. Nicht umsonst ist das Mädchen, das soviel Unglück mit ihrer unbeabsichtigten Lüge anrichtet, Schriftstellerin. McEwas gelingt es hervorragend, beide Seiten dieser unglückseligen Situation dem Leser so überzeugend zu beschreiben, dass eine unvoreingenommene Betrachtungsweise möglich und eine Verurteilung unmöglich wird.

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