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Salman Rushdie
Der Boden unter ihren Füßen
(The Ground Beneath Her Feet, 1999)

Rowohlt
2000
Übersetzt von Gisela Stege
861 Seiten
DM 19,90


thalia.at
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Von Alfred Ohswald am 29.11.1999

  Der indische Fotograf Rai befindet sich mit dem weiblichen Popstar Vina auf einer Konzerttournee in Mexiko als sie bei einem starken Erbeben ums Leben kommt. Vina war die Ehefrau des genialen Musikers Ormus Cama und die zeitweilige Geliebte von Rai. Rai erzählt nun die Geschichte dieses außergewöhnlichen Liebespaares und seine eigene. Er und Ormus wuchsen in Indien auf und kannten sich seit ihrer Kindheit. Vina wurde nach einer tragischen und turbulenten Kindheit ebenfalls nach Indien verschlagen und lernt die Beiden dort kennen und Ormus und sie verlieben sich unsterblich ineinander.
  Alle drei werden durch verschiedene Umstände in den Westen verschlagen, Vina zuerst nach Amerika, Ormus und zuletzt Rai nach England. Während Vina in Amerika kleine Erfolge als Sängerin hat, beginnt auch die musikalische Karriere von Ormus in England Gestalt anzunehmen. Doch bei einem Autounfall wird er so schwer verletzt, daß er Jahrelang im Koma liegt. Erst als Vina davon erfährt und zu ihm reist, kehrt er in das Leben zurück. Von da an beginnt ihr gemeinsamer Aufstieg zu Superstars der Popmusik aber auch ihre turbulente Beziehung zueinander.
 
  Rushdies Epos über Rock & Roll, nahezu perfekter und unerfüllter Liebe und dem Tod, der oft eine beängstigende Begleiterscheinung dieser beiden Themen zu sein scheint. Sowohl die wirklich große Liebe als auch viele der wirklichen Superstars mußten früh sterben um unsterblich zu werden.
  Rushdie schreibt darüber in einer unglaublich farbigen und lyrischen Sprache, vernachlässigt dabei aber die zu erzählende Geschichte nicht. Immer wieder zieht er Parallelen zu den griechischen und indischen Mythen und als Leser hat oft den Eindruck, einem orientalischen Geschichtenerzähler beim fabulieren zuzuhören. Er scheint fast jede seiner Romanfiguren mit allen ihren Eigenarten ins Herz geschlossen zu haben und die wenigen wirklich negativen Figuren schont er durch untypisch sparsame Beschreibung als ob er ihre Bösartigkeit nicht wirklich verstehen und darum nicht darüber schreiben könne.
  Sowohl durch die erzählte Geschichte als auch durch seine Sprache beherrscht eine schwermütige Lebensfreude die Stimmung im Buch und eine starke selbstzerstörerische Ader das Leben seiner Protagonisten. Schlußendlich verlieren sie den Titel gebenden "Boden unter ihren Füßen" mit Ausnahme des Erzählers Rai.
  Die Geschichte spielt übrigens in einer Welt, die der unserer sehr ähnlich, aber in manchen Details nicht identisch ist. Dadurch wird der Eindruck der Märchenhaftigkeit noch verstärkt, was durch die oftmalige Bezugnahme auf die indische Kultur und Geschichte beim aus dem Westen stammenden Leser auch schon so geschieht. Das bedeutet aber nicht eine verklärte Sicht auf den Orient und Indien im Speziellen und er läßt es nicht an Kritik sowohl über dortige Verhältnisse als auch über die westliche Gesellschaft mangeln.

 

 

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