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Whitley Strieber
Der Kuss des Vampirs
(The Last Vampire, 2001)

Goldmann
2002
Übersetzt von Joannis Stefanidis
474 Seiten
€ 9,- [D]


Von Alfred Ohswald am 03.07.2002

  Uralt und mächtig, hielten sich die Vampire Jahrtausende die Menschen als eine Art Herdenvieh. Erst durch ihre Zuchtverfahren entstand der moderne Mensch nach ihren Wünschen. Sie selbst sind hoffnungslos altmodisch und leben extrem zurückgezogen, nur zur Jagd begeben sie sich unter Menschen.
  Miriam ist ein sehr untypischer Vampir. Sie bewegt sich erfolgreich mitten in der Welt der Menschen. Sie ist reich und etabliert, doch um sich vortzupflanzen braucht auch sie einen männlichen Vampir. Darum reist sie zur alle hundert Jahre stattfindenden Zusammenkunft der asiatischen Vampire nach Thailand. Doch dort erwartet sie eine unangenehme Überraschung. Alle Vampire sind tot. Die Menschen mussten hinter ihr Geheimnis gekommen sein und sie überrumpelt haben. Die Vampire hatten sie und die Möglichkeiten der modernen Technik durch ihre grenzenlose Arroganz unterschätzt. Miriam will sofort weiter nach Europa fliegen, um die Vampire dort vor der Gefahr zu warnen. Doch in ihrem geschockten Zustand begeht sie einen Fehler. Sie versteckt ein Opfer von ihr nicht, nachdem sie es getötet hat und führt dadurch ihre Verfolger auf ihre Spur.
  Die treibende Kraft unter ihren Verfolger ist der CIA-Agent Paul Ward. Sein Vater wurde einst von einem Vampir getötet und er verfolgt sie deshalb mit unversöhnlichem Hass.
 
  Was als guter Horrorroman mit originellem Hintergrund beginnt, entwickelt durch die beiden Hauptcharaktere immer ungustiösere Züge. Der weibliche Vampir Miriam zeigt rassistische Attitüden, wie sie schon in Striebers „Wolfsbrut“ (Wolfen) andeutungsweise vorkamen. Aber bei der Figur eines Vampirs ist das durchaus noch einigermassen legitim. Ihr Gegenspieler, der CIA-Agent Paul Ward gibt aber noch deutlich verabscheuungswürdigere Weisheiten von sich. Nicht nur, dass der ein schon sehr extremes militaristisches Ars****h ist, er findet auch in Ordnung, dass er Kinder gefoltert (Elektroschocks an der Genitalien; Seite 283) hat. Schließlich hat er damit amerikanischen Soldaten das Leben gerettet. Und er hat’s ja nicht genossen, also ist’s in Ordnung. Und Strieber beschreibt Ward als Überhelden, nicht als gebrochene Figur mit grausiger Vergangenheit.
  Derartig ungute Auswüchse gehen über jede Geschmacksfrage hinaus. Selbst wenn es ein außergewöhnlich guter Horrorroman wäre, sollte man solche Schweinereien nicht in Kauf nehmen. Erst recht nicht bei einem bestenfalls besseren Durchschnittsbuch. Muss ein Buch denn unbedingt verlegt werden, wenn der Autor eine gewisse internationale Bekanntheit erreicht hat?

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