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Kerstin Ekman
Geschehnisse am Wasser
(Händelser vid vatten, 1993)

btb
2002
Übersetzt von Hedwig M. Binder
573 Seiten
€ 10,- [D]


Von Gisela Hagmair am 03.07.2002

  Die „Geschehnisse am Wasser“ ist eines der bekanntesten Bücher Kerstin Ekmans und wurde in Skandinavien mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem wurde es von der Schwedischen Krimiakademie zum besten Krimi des Jahres gekürt. Dabei erinnert die Handlung nur entfernt an einen klassischen Kriminalroman.
 
  Anfang der 70er Jahre will die Stockholmer Musiklehrerin Annie Raft mit ihrer Tochter Mia zu ihrem Freund in eine nordschwedische Landkommune ziehen. Am Zielort angekommen, müssen sie den letzten Teil des Weges zur Kommune im Dämmerlicht der Mittsommernacht zu Fuß zurückzulegen. Sie verirren sich im Hochmoor und entdecken in der Nähe des Flusses ein Zelt. Als Annie um Hilfe bitten will, sieht sie, dass das darin liegende Pärchen ermordet worden ist. Sie hält einen samischen Jungen, der an ihnen vorbeieilt ohne die beiden zu bemerken, für den Mörder. Der Junge – Johan Brandberg – ist jedoch in Wahrheit auf der Flucht vor seinen Stiefbrüdern und seinem grobschlächtigen Vater. 18 Jahre später sieht Annie ihn wieder – als Freund ihrer Tochter und ist entsprechend schockiert.
  Kurze Zeit nach dieser nochmaligen Begegnung wird Annie tot im Fluss gefunden. Johan und Birger, Annies Lebensgefährte, versuchen die beiden Morde aufzuklären.
 
  Innerhalb dieses Rahmens entspannt sich der Roman, voll von lebendigen Schilderungen Nordschwedens. Man taucht ein in die Moorlandschaft, die Weite des Landes, die Mittsommernacht, die keine Dunkelheit kennt. All das wird zur lesbaren Realität. Aber nicht nur die Natur sondern auch die sozialen Strukturen werden herausgearbeitet - eine Spezialität Ekmans, die ihren Durchbruch in Schweden mit sozial verankerten psychologischen Romanen schaffte. Die Gegensätze und die Gemeinsamkeiten zwischen der Dorfbevölkerung und den Mitgliedern der Kommune werden sichtbar. Vorurteile werden thematisiert ohne zu moralisieren. Illusionen werden aufgelöst. Ekman beschreibt und stellt in den Raum ohne zu kommentieren.
  Alles in allem sind die „Geschehnisse am Wasser“ ein ansprechender Roman, der die Spannung bis zum Schluss hält. Die Sprache, die Ekman verwendet, ist oft sehr direkt, die Handlung komplex. Trotz verschiedener Zeitebenen ist der Text im Präsens gehalten. Die Geschichte wird aus unterschiedlicher Sicht - oft nebeneinander gestellt - erzählt und die Handlungsstränge erst später miteinander verknüpft.
  Ich denke, es lohnt sich, die ersten Kapitel durchzuhalten und sich nicht verwirren zu lassen. Werden die Zusammenhänge sichtbar, ergibt sich die Lust weiter zu lesen von selbst. Für Menschen, die mit Skandinavien und der immer wieder durchkommenden Melancholie etwas anfangen können, ein sehr empfehlenswertes Buch.

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