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Noam Chomsky
Profit over People
Neoliberalismus und globale Weltordnung

Europa Verlag
2000
158 Seiten
€ 12,90 [D]


Von Richard Niedermeier am 21.06.2002

  Alexander der Große soll den Gordischen Knoten gelöst haben, indem er ihn mit dem Schwert durchschlug. Was hat diese alte Legende mit einem Buch über Neoliberalismus und globale Weltordnung zu tun? Der Verfasser dieses Buches verfährt ähnlich. Was ihm so aussichtslos verwickelt vorliegt: die globalen Probleme der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, der Umweltzerstörung, der allgemeine Niedergang des demokratischen Bewusstseins. Für all das hat er, wenn auch nicht unmittelbar eine Lösung, so doch eine einfache und verblüffende Begründung an der Hand: Schuld daran ist der ökonomische Neoliberalismus, der zugleich auch ein kulturelles, politisches, ja im letzten sogar ein religiöses Phänomen ist, eine Art Glaubensüberzeugung.
  Was den Neoliberalismus ausmacht: Er ist Kapitalismus pur, Streben nach Profitmaximierung einiger weniger. Er ist verantwortlich für die weltweite Armut und die Umweltzerstörung; er benutzt den Staat, um seine Interessen durchzusetzen, schürt Konflikte , um seine Herrschaft global auszuweiten. Durch ihn wird jede Demokratie zur Scheindemokratie, entartet zum Zwangssystem, das im besten Fall eine Art goldener Käfig und im schlimmsten eine vom Großkapital gestützte Diktatur irgendwo in der Welt ist. Bannerträger des Neoliberalismus sind für Chomsky heute die USA mit ihrer von Macht- und Gewinnstreben geleiteten Politik.
  Chomsky ist Amerikaner, mit dem für Amerikaner so typischen Sendungsbewusstsein und einer manchmal etwas engen Perspektive. Natürlich hat er nicht ganz unrecht: Von Oswald Nell-Breuning über Oskar Lafontaine bis in die Soziallehre des Papstes hinein gilt der Neoliberalismus zurecht als ein globales Übel, das in der „Neuen Weltordnung“ seit 1989 Ökonomie und Politik immer mehr in den Würgegriff nimmt. Aber wenn er etwa die simplifizierende Meinungsmache seiner Gegner angreift, so bedient er sich selbst des gleichen Instrumentes. Da wird zitiert (z.B. aus Geheimpapieren der US-Regierungen) ohne hinreichende Belege, generalisiert und polemisiert. Oberflächlichkeit, monokausales Denken und Rechthaberei - von einem Philosophen wie Chomsky hätte man mehr für dieses so wichtige Thema erwartet. Er hätte auf Thukydides, den Urvater der Geschichtswissenschaft, hören sollen, der bleibend gültig die Machtpolitik der Staaten analysiert hat. So aber bedient das Buch die Stammtische und arbeitet Weltverschwörungstheorien in die Hände.

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