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Markus Huber / Robert Treichler
Keiner ist so toll wie wir
Blöde Briten, dämliche Deutsche, frustrierte Franzosen und 36 weitere hoffnungslose Fälle

Ueberreuter
2001
160 Seiten


Von Alfred Ohswald am 14.06.2002

  Die Autoren, beide Journalisten, haben hier ein etwas anderes, satirisches Länderlexikon geschrieben, das sich hemmungslos bei sämtlichen Vorurteilen bedient. Die meisten Länder Europas wurden berücksichtigt und, alphabetisch gereiht, unter einigen Stichworten wie „Aussehen und Vorkommen“, Geografie“, Geschichte“, „Kultur“, „Sprache“, „Küche“ usw. satirisch unter die Lupe genommen. Irgendwelche Rücksichten oder Hemmungen gibt es dabei nicht. Wer Harald Schmidts Polenwitze für rassistisch hält, soll die Finger von diesem Buch lassen. Es ist deutlich deftiger.
 
  Ein paar Beispiele:
 
 Schweiz – Landwirtschaft:
 82 Prozent des Einkommens eines Schweizer Bauern sind öffentliche Förderungen. 8 Prozent sind Erlöse aus Versicherungsentschädigungen für verschwundene Tiere, die den Hang runtergekollert sind. 6 Prozent sind Einnahmen aus schwarz verkauften Käsekügelchen, die aus den Löchern stammen. 4 Prozent schließlich sind Einnahmen aus dem Tourismus, vornehmlich urlaubender Tyrannen aus der Dritten Welt, die in der Schweiz Sommerfrische machen.
 
 Türkei – Küche:
 Der Witz an der türkischen Küche ist, dass Türken meist keine Küche haben. Sie kochen im Freien und erzeugen dabei so viel Radau und Qualm wie ein Formel-1-Auto beim Start. Bei intimen Abendessen ziehen sie sich mit zirka zwanzig Familienmitgliedern in einen Hinterhof zurück und grillen dort große Säugetiere, die man zuletzt im Naturhistorischen Museum gesehen hat.
 Angeblich verdanken wir den Türken den Kaffee. Das gilt jedoch ausschließlich für die Zutat, nicht aber für das Rezept. Die Türken machen aus Kaffee ein paar Zentiliter schwarze Brühe, die ungefähr so flüssig ist wie der Verkehr in Istanbul. Eine Melange kennen sie dagegen nicht.
 Türkische Nachspeisen bestehen aus einem Kilo Zucker, etwas Honig, einen Schuss Sirup und das Ganze wird auf Wunsch gesüßt.
 
 Deutschland – Musik:
 [...]
 Als der Rock `n` Roll und die Popmusik international Furore machten, entwickelten die Deutschen so etwas wie einen Gegenentwurf und applaudierten höchst zweifelhaften Figuren wie Heino oder Gus Backus und zogen damit gegen die Popmusik in eine Art Weltkrieg, den sie aus Gewohnheit verloren. Zweimal noch blickte die Popwelt fasziniert auf deutsche Sänger: Auf „Milli Vanilli“, weil das Dou statt zu singen lediglich die Lippen bewegte, und auf Nena, weil sie ärmellose T-Shirts trug und sich die Achselhaare nicht rasierte. Dann kam Dieter Bohlens „Modern Talking“ und führte die Deutschen zurück in die vertraute Barbarei.
 
 Österreich kommt, wie der Titel andeutet, nicht vor.
 
  Wie man sieht, handelt es sich nicht unbedingt um eine feine Klinge. Feingeister, die vor jedem Anflug von Chauvinismus laut aufschreien, werden mit dieser deftigen Art der Satire ziemlich sicher wenig Freude haben.

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