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Ovid
Lieder der Trauer
Die Tristien des Publius Ovidius Naso

Insel
Übersetzt von Volker Ebersbach
219 Seiten
14,80 DM


Von Martin Klinkhardt am 17.06.1999

  Ovid, der gefeierte Dichter augusteischer Zeit. Ovid, der Verfasser der "Liebeskunst", Autor der grossartigen "Metamorphosen", Autor sehr pikanter Liebeselegien. Überhäuft mit Ehrungen, Privilegien. Ovid, der Dichter, der wegen seiner Verwicklung in einen großen Skandal verbannt wird ans Ende der Welt. Der elegante, sehr kultivierte Dichter erträgt sein Exil nur schwer, er leidet an der Entfernung aus dem kulturellen Zentrum Rom. Seine Niedergeschlagenheit gießt er in großartige, melancholische Gedichte, die so recht zeigen, was es heißt, nicht mehr in die Heimat zu können - zu dürfen (ein durchaus aktueller Aspekt der Gedichte!).
  Volker Ebersbach hat sie einfühlsam in deutsche Form gebracht. Auch wer nichts oder wenig mit Latein anfangen kann oder mag, sollte diese Gedichte lesen.
 
 Die Leseprobe stammt aus dem ersten Gedicht der Tristien:
 
 Büchlein, ich neid es dir nicht: Nach Rom wirst du ohne mich reisen.
  Ach, daß man mir, deinem Herrn, nicht diese Reise erlaubt!
 Geh denn, doch schmucklos, wie es dem Werk des Verbannten auch zukommt.
  Laß an deiner Gestalt sehen, wie schlecht es ihm geht.
 Hülle dich nicht in den purpurnen Saft einer färbenden Beere.
  Das ist der Farbton nicht, welcher zu Trauernden paßt.
 Zedernöl soll das Papier nicht, Zinnober den Titel nicht zieren.
  Aus der geschwärzten Stirn rage kein weißes Gehörn.
 Solcherlei Schmuckwerk möge die glücklichen Bücher verschönern.
  Dir hingegen gebührt, daß du mein Schicksal bezeugst.
 Laß dir die Seiten nicht beide mit bröckelndem Bimsstein verfeinern.
  Struppig soll man die sehn und mit verworrenem Haar.
 Schäme der Flecken dich nicht! Wer sie sieht, wird die Herkunft verstehen.
  Tränen, die ich vergoß, riefen sie nämlich hervor.
 Reise! Und grüß durch mein Wort die Gegenden, Buch, die ich liebe,
  wo man mit deinem Fuß wohl mir zu wandeln erlaubt.
 Findest du einen im Volk, der sich noch meiner erinnert,
  einen, der dich vielleicht fragt, wie es mir nun ergeht,
 wirst du ihm sagen, ich lebe, doch ob es mir gut geht, verneinen;
 schon daß ich lebe, sag auch, sei mir ein Göttergeschenk.

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