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Hans-Joachim Zillmer
Irrtümer der Erdgeschichte

Langen Müller Herbig
2001
334 Seiten


Von Klaus Richter am 26.04.2002

  Nachdem Zillmers 1998 erstmals erschienenes Buch "Darwins Irrtum" bereits in 3. Auflage erschienen ist, kam im März 2001 auch Zillmers neuestes Buch "Irrtümer der Erdgeschichte" auf den Buchmarkt. Das Buch ist publizistisch ein Erfolg, auch weil es vom Verlag und Autor entsprechend vermarktet wird und bei vielen Lesern, die glauben, sie bekämen hier neuartige, revolutionäre Erkenntnisse über die Erdgeschichte vermittelt, auf Akzeptanz stößt. Doch wer das Buch mit wachem Verstand und offenen Augen liest, wird schnell merken, dass Zillmer den Weg weitergegangen ist, den er bereits 1998 mit seinem Erstling beschritten hat: Der Behauptung angeblicher Rätsel der Erdvergangenheit, die einem geologischen Laien zwar durchaus rätselhaft erscheinen mögen, jedoch bei genauem Hinsehen keine Rätsel sind, da sie längst durch Geologie, Paläontologie und auch Biologie mit fundierten Theorien erklärt wurden.
  Zillmers Ziel ist klar :Gegebenheiten wie die Kontinentaldrift oder perfekt erhaltene Fossilien werden aus ihrem wissenschaftlich längst erklärten Zusammenhang gerissen und Zillmers These untergeordnet, dass die Erde noch jung sei und ihre heutige Erscheinungsform auf einen gewaltigen Impakt aus dem All zurückgeht, der sich vor etwa 10.000 Jahren ereignet haben soll. Stützen für diese These sind nach wie vor Muck, Velikovsky oder Tollmann (deren Thesen von der modernen Wissenschaft längst widerlegt wurden) oder Pseudowissenschaftler wie Zecharia Sitchin. Nicht fehlen darf auch der amerikanische Kreationist Carl Baugh, der in Glen Rose das Creation Evidence Museum betreibt und dessen Ansichten über die göttliche Erschaffung der Welt selbst von seinen kreationistischen Mitstreitern in den USA mit Argwohn betrachtet werden.
  Zillmer fährt zahlreiche angebliche Rätsel auf, die die Irrtümer der Erdgeschichte belegen sollen: Da präsentiert er uns im Bildteil (Bild 1 und 2) Fotos eines angeblich noch lebenden Trilobiten aus Utah. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Triops, doch das scheint dem Autor im Eifer des Gefechtes entgangen zu sein. Gut erhaltene Fossilien, deren Entstehung jeder Paläontologe heute problemlos erklären kann, werden als Belege für eine angebliche Weltkatastrophe herangezogen, die zu einem schnellen Einschluss der Tiere und zu einer schnellen Verhärtung des Gesteins geführt haben sollen, so wie es bei Beton der Fall ist, einem Material, mit dem der Bauingenieur Zillmer sicher ausreichende Erfahrung gesammelt hat. Auch seine Erläuterungen zur Kontinentaldrift muten reichlich bizarr an.
 
  Zillmers neuestes Buch ist eine weitere Demonstration seiner Unkenntnis über geologische und paläontologische Vorgänge, dient auch gar nicht der Schaffung wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern der Etablierung einer pseudowissenschaftlichen Ideologie, die sich auf prä-astronautische und kreationistische Elemente stützt. Autorität soll dem Buch ein Vorwort des Wuppertaler Hochschullehrers Prof. Bazon Brock verleihen. Bazon Brock ist Professor für Ästhetik an der Bergischen Universität Wuppertal. In diesem Fach ist er sicherlich ein Experte, doch in Geologie besitzt er sie, wie er in seinem Vorwort zeigt, nicht. So schreibt Brock auf S. 14: "Wozu wird überhaupt Erdgeschichte betrieben, wenn 150 Jahre Forschung zu keinerlei Korrektur der Grundannahmen von 1840 geführt haben?" Ein Satz, der, wie jeder Geologe bestätigen wird, falscher nicht sein kann, denn seit 1840 haben sich die Grundannahmen sehr wohl geändert. Als Beispiel sei die Theorie der Kontinentaldrift genannt, die Alfred Wegener erstmals in den zwanziger Jahren vertrat und die nach dem 2. Weltkrieg durch zahllose Untersuchungen bestätigt wurde.
  Wer sich mit der Geschichte der Dinosaurierforschung beschäftigt, wird erkennen, dass auch hier sich etwas getan hat, denn unser Bild von den Riesenechsen hat sich in den letzten 20 Jahren dramatisch geändert. Solche Dinge erfährt man allerdings von Zillmer, der sich bemüht, die Wissenschaft möglichst ins schlechte Licht zu rücken, nicht.
  Fazit: Zillmers Buch ist ein pseudowissenschaftliches Werk, das zur Gewinnung neuer Erkenntnisse über die Erdgeschichte nicht ernst genommen werden kann.

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