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Michael Haase
Im Zeichen des Re
Die geheimnisvollen Sonnenkönige Ägyptens. Ungelöste Rätsel der Pyramidenforschung.

Langen Müller Herbig
1999
256 Seiten


Von Klaus Richter am 26.04.2002

  In seinem Buch "Im Zeichen des Re" befasst sich Michael Haase mit dem Pyramidenbau in der Zeit nach der Errichtung der Cheopspyramide in Gizeh. Er stellt ausführlich die Grabbauten von Cheops Nachfolgern vor und diskutiert ausführlich die Ergebnisse, die die ägyptologische Forschung ans Tageslicht gefördert hat.
  So erfahren wir etwas über Djedefre, den direkten Nachfolger Cheops', dessen Pyramidenprojekt in Abu Roasch zwar fertiggestellt, dann aber ein Opfer des Steinraubes in späterer Zeit wurde. Djedefres Nachfolger ist vermutlich ein kaum zu identifizierender Pharao namens Baka (auch Neb-ka), vermutlich ein Sohn von Djedefre. Baka plante die Errichtung eines den großen Pyramiden von Gizeh durchaus ebenbürtigen Grabmals in Zawyet-el-Aryan, doch wurde der Bau, dessen Grundkonzept dem der Djedefre-Pyramide entsprach, nicht fertiggestellt.
  Die Familienverhältnisse des "Cheops-Clans" erscheinen aus heutiger Sicht undurchsichtig, ebenso die Frage, was für Gründe im einzelnen dazu führten, daß Nachfolger des Cheops nur kurz regierten und dann schnell in den Annalen der Geschichte verschwanden. Dieses Schicksal blieb jedenfalls Chephren erspart, dessen Pyramide Haase ausführlich vorstellt. Ist es ein in den Augen der Öffentlichkeit arg vernachlässigtes Bauwerk, bietet es dennoch noch manch spannende offene Frage, die zur weiteren Forschung anregt , ebenso wie die Person Chephrens selbst. Chephren war es übrigens, der nach Überzeugung des Autors den Sphinx von Gizeh errichten ließ, eine "Ikone des frühen Pharaonentums" (S. 127). Die letzte Pyramide des "Cheops-Clans" wurde von Chephrens Nachfolger Menkaure (Mykerinos) errichtet. Sie weist nicht nur ein interessantes Kammersystem auf, sie ist auch deutlich kleiner als ihre Vorgänger. Offenbar, so Haase, machten sich hier wirtschaftliche Zwänge sowie die bisher gesammelten, schlechten Erfahrungen im Pyramidenbau bemerkbar: Baukatastrophen, Planänderungen, vorzeitiger Tod des Bauherren waren bisher Steine im Weg zur Errichtung eines kompletten Grabmals.
  Im Laufe der 4. Dynastie, die mit Pharao Schepseskaf endete, gewann der Glaube an den Sonnengott Re mehr und mehr an Einfluss. Er sollte die kommenden beiden Dynastien, die letzten beiden des Alten Reiches beherrschen. Die Pharaonen der 5. Dynastie ließen sich ebenfalls Pyramiden errichten, doch waren diese wesentlich kleiner als die ihrer Vorgänger und sind heute kaum noch erhalten. Ein bautechnischer Rückschritt? Wohl kaum, eher zwangen wirtschaftliche Gründe, die kurze Lebenszeit der Herrscher und veränderte religiöse Vorstellungen zu einem schnelleren und ökonomischeren Bau kleinerer Pyramiden. Zugleich ändert sich aber auch die Größe der Totentempel: Sie nimmt deutlich zu, teilweise wurden die Tempel prachtvoll ausgestattet. Neben ihren Grabmälern ließen sich die Pharaonen der 5. Dynastie bei Abu Gurob Sonnenheiligtümer errichten, von denen heute nur noch die der Pharaonen Userkaf und Niuserre zu sehen sind. Wo sind die anderen drei geblieben? Haase geht dieser Frage nach und findet eine plausible Erklärung. Jedenfalls könnte Abu Gurob ein Grabungsfeld mit Zukunft sein.
  Das Ende der Pyramidenzeit im Alten Reich wurde mit der 6. Dynastie eingeleitet. Pharaonen wie Pepi I., Teti (fiel er dem ersten geschichtlich bekannten Königsmord zum Opfer?) oder Pepi II. ließen mit ihren Pyramiden das Alte Reich ausklingen Der letzte Pharao der 6. Dynastie war Pepi II. Er regierte vermutlich 94 Jahre, doch gelang es ihm nicht, den bereits bei seinem Regierungsantritt erkennbaren Verfall der Zentralgewalt aufzuhalten. Nach seinem Tod versank Ägypten im Chaos, kämpften die Gaufürsten um die Vorherrschaft im Reich. Wirtschaftliche Not und die Gier nach Gold führten zur gezielten Plünderung der Pyramiden - die erste Zwischenzeit hatte begonnen. Welche schlimmen Zustände damals tatsächlich herrschten, beschreibt Haase in der Einleitung seines Buches in Form einer Erzählung.
  Erst um 2020 v. Chr. gelang es einem thebanischen Fürsten, der als Pharao Mentuhotep I. in die Geschichte einging, die Herrschaft über ganz Ägypten zu erlangen - die Zeit des Mittleren Reiches, die letzte Blütezeit des königlichen Pyramidenbaus, hatte begonnen. Haase schildert kenntnisreich und spannend eine sich über Jahrhunderte erstreckende Geschichte dreier Dynastien, dargestellt anhand des Aufstiegs und des Niederganges des Re-Kultes. Eine faszinierende Lektüre für jeden, der sich für die Kultur des alten Äygpten interessiert oder sie kennenlernen möchte. Umfangreiche Anmerkungen und ein ausführliches Literaturverzeichnis laden zu weiteren Recherchen ein.

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