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Jens-Uwe Nebauer
Die lieben Leute von Überall


Von Daniel Hockmann am 24.04.2002

  In seinem Theaterstück „Die lieben Leute von Überall“ schickt Jens-Uwe Nebauer den Leser mit zwei Journalisten aus unserer Zeit in eine kleine postmittelalterliche Stadt, um hier die alltägliche Hexenjagd zu studieren.
  Jahre nach dem Dreizigjährigen Krieg wütet im Deutschen Reich die Inquisition mit ihrer unmenschlichen und frauenverachtenden Arbeit. Während einige wenige gebildete und aufgeklärte Menschen, wie der Medicus und der Pfarrer der typischen deutschen Kleinstadt, wenigstens zurückhaltende Zweifel an dieser Institution der Tyrannei hegen, lebt das Volk seinen täglichen Hass ungeniert aus und liefert bereitwillig Frauen, die in persönliche Ungnade gefallen sind, dem hysterischen Hexenwahn aus. Ein Denunziant ist ein neidischer Wirt, der seine Einkünfte anheben will, indem er seine Nebenbuhlerin dem Schafott ausliefert. Ein anderer will Rache für nicht erwiderte Liebe. Und eine weibliche Anklägerin bringt eine Konkurrentin vors Hexengericht. Nebauer beschreibt die völlig aussichtslose Lage der Frauen, die machtlos ihrer Verurteilung gegenüberstehen. In diesem Zusammenhang wird die antifeministische Handlungsweise der katholischen Kirche bewusst in den Vordergrund gerückt und erklärt, wie die ursprüngliche Häretikerbewegung der späteren Hexenverfolgungsproblematik weicht.
  Die einzelnen Charaktere erklären teilweise ausführlich ihre Sozialisation und ihre Ideologie, sodass die starken Unterschiede nachvollziehbar werden. Ein Henkersknecht beschreibt wie er zum Sadisten geworden ist und sich immer wieder an seiner Folterarbeit erregt.
  Dieses Theaterstück ist eine geschichtlich fundierte und ungeschönte Abrechnung mit dem Hexenwahn der katholischen Kirche und seiner willigen Helfer. Nebauer betreibt Aufklärung, die dem Betrachter die unangenehme Erfahrung der realistischen Darstellung nicht vorenthält.

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