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Gisbert Haefs
Hannibal
Der Roman Karthagos
(1989)

Heyne
1997
749 Seiten
€ 9,95 [D]


Von Alfred Ohswald am 18.04.2002

  Im hohen Alter beschließt der Händler Antigonos seine Geschichte über die Freundschaft zu den berühmten Feldherrn Karthagos Hamilkar und seinem Sohn Hannibal aufzuschreiben.
  Trotz der Bemühungen des Feldherrn Hamilkar Barkas geht der Krieg von Karthago gegen Rom verloren. Die folgenden Söldneraufstände im Hinterland Karthagos ziehen sich durch die Unfähigkeit des mächtigen Hanno des Großen als Feldherr lange hin. Erst als Hamilkar den alleinigen Oberbefehl bekommt, kann er die Bedrohung abwenden.
  Nun zieht Hamilkar nach Iberien und erobert dort weite Gebiete mit ertragreichen Silberminen für Karthago. Ein von ihm ausgehandelter Friedensvertrag mit Rom wird nach seinem Tod bald gebrochen. Inzwischen ist sein Sohn Hannibal Heerführer in Spanien und beschließt nach der römischen Kriegserklärung Rom in Italien selbst anzugreifen. Der Seeweg ist durch die überlegene Flotte Roms nicht möglich und so beschließt Hannibal die berühmte Überquerung der Alpen. In Italien kann er durch geniale Schlachtenführung sämtliche Aufgebote der Römer gegen ihn schlagen und so immer mehr Verbündete für sich gewinnen. Doch Karthago schickt keinen Nachschub und seine Armee schmilzt immer mehr zusammen. Desto mehr Verbündete er bekommt, desto größere Gebiete muss er schützen und seine ohnehin zu geringen Kräfte noch zusätzlich zersplittern.
  Die Führung Karthagos lässt sich auch von Antigonos nicht davon überzeugen, Hannibal zu unterstützen. Ihn Gegner Hanno der Große muss zwar einige Niederlagen einstecken, setzt sich aber schlussendlich doch meist durch.
 
  Gisbert Haefs holt bei diesem historischen Roman über einen der genialsten Heerführer der Geschichte weit aus. Erst ab etwa der Hälfte des Buches beginnt Hannibal eine zentrale Rolle zu spielen. Es dauert auch einige Zeit, bis sich der Leser richtig in die Geschichte hineinliest. Später, bei den zahllosen Winkelzügen Hannibals in Italien, umgeht Haefs das Problem weit geschickter. Antigonos, sein Erzähler ist oft nicht dort anwesend und kann darum einen groben Überblick aus der Distanz geben, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren.
  Haefs Hannibal-Roman erzählt die historischen Ereignisse aus der Sicht eines Freundes von Hannibal und versucht nirgends eine Unparteilichkeit vorzuspielen. Karthago hat den Sieg verschenkt und mit seiner Niederlage den Weg zur römischen Weltherrschaft freigemacht. So ist aus Hannibal eine tragische Figur der Weltgeschichte geworden. Mit fast immer unzureichenden Mitteln und gegen alle Widerstände stemmte er sich bis zu seinem Tod der aufstrebenden Weltmacht entgegen. Im Gegensatz zu vielen anderen berühmten Heerführern hatte er aber nicht die nötige Macht und den Rückhalt im eigenen Land.
  Man braucht etwas Durchhaltevermögen, bis man sich reingelesen hat, aber dann wird man mit einem ausgezeichneten historischen Schmöker belohnt. Wobei die faszinierende Figur des Hannibal es dem Autor nur scheinbar leicht macht. Diese Fülle von Ereignissen sind nicht leicht in einen gut lesbaren Roman unterzubringen. Gisbert Haefs hat es auf beachtenswerte Weise geschafft.

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