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Gert Müller
Diesseits der Wüste
Geschichten aus den tunesischen Tagebüchern

Haymon
2002
144 Seiten
€ 14,40


Von Johann F. Janka am 15.04.2002

  Tunesien ist heute ein Reiseziel erster Wahl. Vor 50 Jahren jedoch war dieses orientalische Land noch geheimnisvoll – Tausendundeine Nacht pur.
  Autor Prof. Gert Müller, 1931 in Innsbruck geboren, studierte Orientalistik und Zeitungswissenschaft und bereist seit Beginn der fünfziger Jahre die arabische Welt, insbesonders die Sahara.
  In seinem neuesten Buch „Diesseits der Wüste – Geschichten aus den tunesischen Tagebüchern“ begleitet der Leser den Autor bei seinen Erlebnissen in und durch Tunesien. In seinen zahllosen Aufenthalten in Tunesien hat Gert Müller die Entwicklung dieses Landes beobachten können. Er berichtet aus seinen Tagebuchaufzeichnungen, beginnend 1956 – als Tunesien kurz davor aus der französischen Kolonialherrschaft entlassen worden war.
  Im Herbst 1956 trifft Müller mit seinem Tiroler Freund und zeichnenden Reisebegleiter Luis Stefan Stecher in Tunis ein. Da Müller die arabische und französische Sprache beherrscht und die beiden sich auch vom Aussehen der Tunesier kaum unterscheiden, stehen sie Land und Leuten nicht als Touristen gegenüber und haben so unzählige Möglichkeiten die Menschen dieses außergewöhnlichen Landes kennen zu lernen. Besonders hat es den beiden Tirolern die Medina, das Altstadtviertel von Tunis, angetan. Obwohl es hier keinen Luxus gibt, wie er in den Euopäervierteln von Tunis zu finden ist, ist es gerade diese orientalische Atmosphäre, die die beiden nicht mehr los lässt. Am liebsten streifen sie durch die Gassen der Märkte, den Souks der Medina – und mit jedem Mal tauchen sie tiefer in den Zauber dieser orientalischen Welt. Sie studieren das Land und begegnen einfachen Menschen, werden aber auch mit höchstrangigen Leuten konfrontiert und erhalten, zu ihrer höchsten Überraschung sogar eine Einladung in den Palast des Beys von Tunis, des Königs ohne Macht. Mitunter geraten sie auch in unangenehme, beinahe sogar gefährliche Situation, denn vereinzelte Kampfhandlungen sind in dieser Zeit des Umbruches keine Seltenheit.
 
  Gert Müller hat mit diesen Geschichten aus den tunesischen Tagebüchern auf jeden Fall keinen Reiseführer verfasst! „Diesseits der Wüste“ ist eine Beobachtung dieses wunderbaren und geheimnisvollen orientalischen Landes und seiner Geschichte ab 1956, des Jahres der Erlangung seiner Unabhängigkeit durch Frankreich. Hautnah erleben der Autor und sein Reisebegleiter Luis Stefan Stecher, von dem übrigens einige Zeichnungen im Buch zu finden sind, diese politisch heikle und auch sonst teilweise gefährliche und unsichere Situation in einer für sie mehr als fremden Welt. Der Genuss dieses Buch zu lesen resultiert nicht ausschließlich, aber doch im hohen Maße aus der Tatsache, dass der Autor seine Beobachtungen über dieses Land über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren verarbeitet, mit eigenen schwarzweiß Fotos untermalt und die Wandlung Tunesiens von einem traditionell islamischen zu einem westlich-orientierten Staat darstellt.

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