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Sarah Kane
Sämtliche Stücke

Rowohlt
2002
252 Seiten
€ 13,- [D]


Von Volker Frick am 10.04.2001

  Sarah Kane. Der Name sagte mir, und dies ist jetzt nur noch beschämend zu gestehen: nichts. Sarah Kane, 1971-1999. Das liess mich aufhorchen. Sie wählte jung die souveräne Entscheidung des Freitods. Das liess mich lesen. “Zerbombt”, ihr erstes Theaterstück zog ein grosses Beben im medialen Raum Britanniens nach sich. Skandal. Und das, obwohl uns doch gar nichts mehr schocken kann. Die Stücke von Sarah Kane werden europaweit auf zahllosen Bühnen inszeniert. Sie selbst hat nicht sich inszeniert, auch wenn das deutsche Feuilleton uns die Parallelschaltung von Leben und Werk nahelegen möchte.
  Die Gewalt in diesen Theaterstücken entbindet uns nicht von der Wahrnehmung, das sie in all ihrer Metaphorik natürlich auch eine radikale und somit klare Beschreibung der Wirklichkeit darstellt. In aller Brutalität. Natürlich ist das Theater Teil dieser Gesellschaft. Alles Theater. In aller Brutalität, hinter dem Grauen, die Dichterin. Und da interessieren die Spiegelfechtereien der Reflektion potenzieller Täter nicht. Genau eine Handvoll Stücke, fünf Finger einer Hand, die uns Sarah Kane reicht. Mehr kann man nicht tun. In Deutschland u.a. uraufgeführt von Peter Zadek (“Gesäubert”), von Thomas Ostermeier (“Gier”). Hörst Du Stimmen? Nicht wenn Du schweigst.
  Also ihr erstes Theaterstück, “ ... der Akt der Vergewaltigung, der die Innenwelten von Opfer und Täter zum Einsturz bringt”, wie es David Greig in seiner Einleitung einfasst. Danach “Phaidras Liebe”, trotz Mord und Totschlag, und was sonst noch an Alltäglichkeiten des Hasses und des Unschönen auf der Bühne des Lebens entgegnet wird, doch, “Phaidras Liebe” ist sehr humorvoll. In “Gier” tauchen nur mehr vier Personen diesseits der Handlung auf, bezeichnet durch vier Buchstaben. In ihrem letzten Stück “4.48 Psychose” kommt alles zur Sprache, wird zum Wort eines Bewußtseins, welches im Krieg der Stimmen dem grausamen Theater der Welt zur Identität auf die Bühne hilft. Dieses letzte Stück von Sarah Kane endet mit den Worten “bitte öffnet den Vorhang”.

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