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Gisbert Haefs
Raja

btb
2002
477 Seiten
€ 10,- [D]


Von Alfred Ohswald am 27.03.2002

  Ende des 18. Jahrhunderts wächst George Thomas im britisch besetzten Irland unter bescheidenen Verhältnissen auf. Mit einem englischen Kriegsschiff gelangt er nach Indien, wo er sofort desertierte, um selbst sein Glück als Söldner in die Hand zu nehmen. Gleich am ersten Abend trifft er den Portugiesen João Saldanha und redet und trinkt mit ihm die ganze Nacht durch. Saldanha war Arzt und wurde von der Inquisition aus seinem geregelten Leben geworfen. Seitdem ist er auf der Suche nach Gott und dem Zeh eines Heiligen.
  George Thomas beginnt seine turbulente Karriere als Söldner. Er ist an zahllosen namenlosen Schlachten im seit der Zeit der Mogulkaiser von ständigen Kriegen zermürbten Indien beteiligt. Irgendwann beschließt er mitten im Nirgendwo auf sinnloser Mission, seine eigene Söldnertruppe zu gründen. Die meisten seiner Kameraden schließen sich ihm an und ziehen mit ihm von Gemetzel zu Gemetzel nach Dehli, um dort einem zahlenden Fürsten ihre Dienste anzubieten.
  Neben seinen beachtlichen militärischen Talenten erringt sich George Thomas einen legendären Ruf als Mann, der immer zu seinem Wort steht. Und mit dieser Eigenschaft steht er in einer Welt voll ständig intrigierender Mächtiger und gewissenloser Söldner ziemlich einzigartig da. Immer wieder kreuzen sich dabei seine Wege mit João Saldanha, dessen Schicksal mindestens ebenso dramatisch verläuft wie das von George Thomas.
 
  Gisbert Haefs beschreibt ein durch ständige Kriege dahin vegetierendes Indien, in dem zahllose europäische Glücksritter schnellen Reichtum suchen. Die meisten sind der Abschaum Europas und ernten nur Krankheit und Tod mit ihrem blutigen Geschäft.
  Haefs versucht auch nicht das damalige Indien möglichst realistisch zu beschreiben, sondern konzentriert sich auf die Sichtweise seiner europäischen Protagonisten. Für sie wirkt dieses Land mit seinen allgegenwärtigen zahlreichen Religionen und Göttern, seinen Möglichkeiten zu schnellem Reichtum und langsamen Toden, seinen exotischen Frauen, grausamen Herrschern und tapferen Kriegern wie ein im Opiumrausch erlebter Irrgarten jenseits wirklichen Verständnisses. Der historischen Figur des George Thomas stellt er mindestens gleichwertig den fiktiven ewigen Sucher João Saldanha gegenüber, dessen Persönlichkeit ihm offensichtlich deutlich näher ist und den er darum klarer charakterisiert als seine eigentliche Hauptfigur. Scheitern müssen beide in dieser fremden Welt.

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