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Ernst Molden
Doktor Paranoiski

Deuticke
2001
223 Seiten
ISBN: 3216305392
€ 16,90


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Von Johann F. Janka am 01.03.2002

  Dr. Christoph Salzer, Wissenschaftspublizist, ist arbeitslos. Nicht nur das, seit längerem verspürt er keinen Wunsch mehr, in dieser, unserer Gesellschaft weiter zu verweilen. Mit zu Hilfenahme eines Leichnams täuscht er seinen Feuertod vor und begibt sich in den Wienerwald, wo er in Zukunft als Einsiedler leben möchte. Ausgehend vom Kahlenberg schlägt sich Salzer bis zu den Föhrenbergen in Hinterbrühl/Mödling durch. Obwohl er mit dem notwendigsten ausgestattet ist, muss er schon in den ersten Nächten feststellen, dass das Eremitendasein, sein zweites Leben, wie er es nennt, bei Weitem nicht so einfach ist wie er angenommen hatte. Nass und kalt, vor allem aber einsam sind diese Nächte im Wienerwald. Außerdem wird er tagsüber immer wieder genötigt, versprengten Spaziergängern, Wanderern und lärmenden Kettensägen aus dem Weg zu gehen. Auch aus diesem Grund treibt es ihn immer weiter, bis er die Mödlinger Föhrenberge erreicht. Nun ist es für ihn schon Gewohnheit, sich von Resten aus Abfallkörben zu ernähren, welche im Gebiet der Föhrenberge, dank der zahlreichen Wanderer, eine regelrechte Mahlzeit abgeben.
  Auf der Suche nach einem Schlafplatz findet Salzer eine Höhle, wie geschaffen als Unterkunft. Die böse Überraschung folgt auf dem Fuße. Die Höhle ist schon bewohnt. Ein bärtiger, kühldreinblickender Mann mittleren Alters empfängt ihn nicht gerade wohlwollend. Ehe sich Salzer versieht, schlägt ihm der hagere, kahle Mann mit seinen Fäusten ins Gesicht. Die Ringe an des Höhlenbewohners Fingern lassen Salzers Lippen platzen. Salzer spürt Blut. Nach einem Abkommen mit dem Hageren, der sich Josef nennt und ihm einige Tage Zeit gibt zu verschwinden, gerät Salzer zu allem Überfluss an ein besonders „liebenwürdiges“ Mitglied der Naturwacht. Durch die Tritte dieses Naturwächters in Knickerbockerhose derart misshandelt, fällt der geschwächte Salzer in tiefe Bewusstlosigkeit.
  Als er einigermaßen wieder zu sich kommt und verschwommen Uniformierte wahrnimmt, erinnert er sich an die Drohung des Naturwächters, die Polizei zu verständigen um ihn abzuholen. Doch die Personen in Uniform amüsieren sich nur über Salzers Vermutung und versichern ihm, dass sie geradezu das Gegenteil der Polizei wären. Er wäre bei den „Unsterblichen“ gelandet. Diese Armee der „Unsterblichen“ besteht aus Menschen, die genauso wie er in der „Oberwelt“ ihren Tod inszeniert haben und sich als private Kampftruppe nun auf den Tag X, den Tag ihres Losschlagens, vorbereiten.
  Ab diesem Tag nimmt Dr. Christoph Salzers zweites Leben eine turbulente Wendung.
  Als „Dr. Paranoiski“, sein Kampfname in der Guerilla-Truppe, bereitet er sich gemeinsam mit den anderen auf den Tag X vor.
 
  Mit viel Fantasie und dunkelgrauer Wiener Art erzählt Ernst Molden in flüssiger Sprache das „neue“ Leben des aus der normalen Gesellschaft geflüchteten, studierten Botanikers Dr. Christoph Salzer alias „Doktor Paranoiski“. Kurzweiligkeit und Unterhaltung stehen für diesen Roman, in dem der Autor seinen „Helden“ auf abenteuerlichste Weise durch den Wienerwald dirigiert.

Von Alfred Ohswald am 29.09.2002

  Der Journalist Dr. Salzer beschließt eines Tages, von der Routine des Geldverdienens und wieder ausgeben angeödet, auszusteigen. Er verlässt Wien und marschiert geradewegs in den Wienerwald. Ziemlich bald landet er heruntergekommen in den Föhrenwäldern bei Mödling und Hinterbrühl und ernährt sich von den Abfällen, die Ausflügler in den Mistkübeln zurücklassen. Ein anderer, dort anwesender Aussteiger will ihn loswerden und ein Wachorgan des Naturschutzes prügelt ihn fürchterlich zusammen.
  In diesem Zustand wird er von zwei Männern und einer Frau gefunden. Sie wirken sehr militärisch und sind bewaffnet, gehören aber anscheinend keiner offiziellen Organisation an. Sie päppeln ihn wieder auf und bieten ihm an, sich ihrer Guerilla anzuschließen. Ihre Ziele scheinen irgendwo zwischen Anarchie und radikalen zurück zur Natur zu liegen. Mehr erfährt er vorerst nicht, Fragen werden ignoriert.
 
  Moldens Roman beschreibt zuerst realistisch das programmierte Scheitern eines naiven Ausstiegsversuchs. Hier demonstriert er sein Talent beim Recherchieren. Nur die in der Umgebung Wiens in den Wäldern ziemlich stark präsenten Jäger hat er zu berücksichtigen vergessen. Allerdings begegnet man ihnen abseits geländewagentauglicher Straßen und Wege nicht allzu oft.
  Der Schwerpunkt des Romans liegt aber bei einer fiktiven Untergrundarmee in Österreichs Wäldern. Obwohl die erzählte Situation und viele Figuren geradezu klassisch anmuten, Orwells „Animal Farm“ könnte dem Leser öfters in den Sinn kommen, ist es doch eigenständig genug, um spannend zu bleiben. Schließlich ist fast alles schon einmal erzählt worden und es meist eine Frage des „wie“. Und dieses „wie“ ist Molden ausgezeichnet gelungen.
  Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive der Hauptfigur beschrieben, ufert aber nie in endlosen Ausführungen seiner Befindlichkeiten aus. Ohne sich eines betont knappen Stils zu bemühen, bleibt Molden immer am „Ball“ der Handlung und der Figuren. Und eine so ungewöhnliche Gruppe, wie diese obskure Untergrundarmee bietet natürlich einen herrlichen Hintergrund für skurrile Typen, ohne das diese aufgesetzt wirken würden. Nebengeleise, wie die Freundschaft zwischen der Hauptfigur und einer Krähe werden geschickt eingesetzt und nie über Gebühr ausgeschlachtet. Dieses Gefühl Moldens, einen guten Einfall und eine gute Figur nicht zu Tode zu reiten, ist eines der positiven Qualitätsmerkmale seiner Bücher.

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