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Don DeLillo
In den Ruinen der Zukunft
Gedanken über Terror, Verlust und Zeit.
(In the ruins of the future)

Kiepenheuer & Witsch
2001
16 Seiten
€ 2,50 [D]


thalia.at
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Von Volker Frick am 21.02.2002

  Im vergangenen Jahr, im Schatten des September, las ich in einer großen deutschen Zeitung, die Bitte, doch nun endlich den Literaturnobelpreis an Don DeLillo zu vergeben. “Vor den Südfenstern zeichneten sich ungeheuer geballt und nah die Trade-Türme vom Nachthimmel ab. Verkörperung des Wortes >auftürmen< in seiner ganzen beharrlichen und drohenden Gewalt.” So kann man es lesen im Roman “MAO II” (dt : 1991, S.116) von Don DeLillo. Er ist ein amerikanischer Schriftsteller, der, neben anderen, sich dem Thema der Wirklichkeitserfahrung der Menschen seiner Zeit, unserer Zeit verschrieben hat. Eingeholt von der Wirklichkeit eines Tages im September des vergangenen Jahres - sind doch die sujets seiner Romane die Medien, der Terror, die Sekten, und der Schriftsteller. Darob der einzige amerikanische Schriftsteller, der die Unbegreiflichkeit der Ereignisse, ihre Voraussetzungen und ihre Folgen in Worte zu fassen geeignet erscheint. Und dies hat er auch getan. Der vorliegende Text, soll man ihn einen Essay nennen, obwohl er, und das ist überraschend, schmerzlich, überzeugend, erzählerische Elemente enthält? Oder schlicht einen Artikel, der zuerst im Dezember 2001 im “Harper’s Magazine” erschien?
  Ist Amerika einen Weltmacht? Was DeLillo beschreibt und erzählt in seinen Romanen ist der Antagonismus Archaik versus Kultur. Und natürlich möchte er die Zeit nicht zurückdrehen, nicht er. Und er verweist sehr eindrücklich auf die Kraft des Wortes. Und er achtet die Sprache ungeachtet der Ereignisse als unbeschädigt. Er bemüht sich, und findet in dem Gestammel der immer und immer wieder gesagten Unsagbarkeit schlichte, berührende Worte.
  Sie wissen, dass Lee Harvey Oswald im wirklichen Leben Schauspieler war, und als vermeintlicher Mörder von John F. Kennedy dann folgerichtig vor laufender Kamera erschossen wurde. “Beckett ist der letzte Schriftsteller, der unsere Art zu denken und zu sehen dargestellt hat. Die bedeutenderen Werke nach ihm befassen sich mit der Sprengung von Flugzeugen und Gebäuden. Das ist die neue tragische Erzählkunst.” Ebenfalls aus “MAO II”. “Nicht im Aufbauen, im Zermalmen können wir die geheimen Befriedigungen eines Gottes ahnen. Daher die Anziehungskraft der Zerstörung und die Illusionen, die sie bei den Frenetikern jeder Epoche weckt.” (E. M. Cioran)
  Über diesen 16 Seiten starken Text sind nicht viel mehr Worte zu verlieren. Lesen Sie ihn, und verschenken Sie ihn. Noch ein paar Worte von Jean-Paul Sartre, der den Literaturnobelpreis nicht annahm, erschienen am 1. April 1965 in “Le nouvelle Observateur”: “Natürlich geht die Entwicklung auch in den Vereinigten Staaten vorwärts, langsam, sehr langsam, aber eher, wenn man ihnen Widerstand leistet, als wenn man ihnen Moralpredigten hält.”

 

 

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