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James Salter
Dämmerung
und andere Erzählungen

Berlin Verlag
1999
Übersetzt von Beatrice Howeg
185 Seiten
€ 18,- [D]


Von Volker Frick am 13.02.2002

  Neben seinen Romanen hat der amerikanische Schriftsteller James Salter auch Kurzgeschichten verfaßt, die, wie auch die Romane, vom Berlin Verlag auf den deutschsprachigen Literaturmarkt gebracht wurden.
  James Salter ist ein sehr effektiver Schreiber, er braucht nicht viel Worte um eine Geschichte zu erzählen. Eigentlich braucht er sehr wenig Worte um sehr viel zu erzählen. Er verdichtet die kaskadischen Eindrücke des modernen Lebens vielfach in Sätze, die allein genommen oftmals die Intensität von Gedichtzeilen haben. Sätze, Worte, die klare präzise Bilder evozieren. Auf der anderen Seite sind die Protagonisten seiner Erzählungen und seiner Romane allzu schnell bereit das Unerwartete zu erwarten, hinter der Alltagsroutine noch irgend etwas anderes zu vermuten als die Fatalität des Lebens. Und hier bleibt der Erzähler immer der große Allwissende, der zwar seine Figuren begleitet, ihnen aber wertfrei zugesteht einen Schritt von ihrem Weg abzuweichen, uns Lesenden aber im Rückblick des Erzählten offenbart, das trotz aller Widrig- und Ungewöhnlichkeiten jede vermeintliche Abweichung vom Weg letztlich genau jener Schritt war, der als nächster zu tun gewesen war. Alles macht Sinn – nur mangels Bewußtheit schreiben wir Ereignissen eine Atmosphäre zu.
  James Salter ist ein großer Erzähler, der sich der kleinen Geschichten ganz gewöhnlicher Leute annimmt, für welche schon der geringste Anlaß genügt, nicht aus ihrem Lebensverlauf auszusteigen, doch für einen Bruchteil der Geschichte dem Hauch der Reflektion anheim zu fallen. Und dann geht es weiter. Das Leben. James Salter erzählt unspektakulär und leise, und darob nicht ohne Gefühl, beziehungsweise über die Gefühlslage seiner Protagonisten, und die stellt sich oftmals erschreckend ärmlich dar.
  James Salter ist ein teilnehmender Beobachter und so ist es weniger verwunderlich als viel mehr unvermeidlich, das die Lektüre seiner Geschichten berührt, zumal, und das kann nicht klar genug betont werden, James Salter ein Meister seines Faches ist. Sehr empfehlenswert.

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