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Janko Kozmus
Der Schatten des Marabouts
(2001)

Vom Autor als BoD selbst verlegt
160 Seiten


Von Alfred Ohswald am 13.02.2002

  Khartoum ist auch eine der zahlreichen Kuppelstädte der Erde, hermetisch von der gestörten Umwelt abgeschlossen. Nur ein Mal im Jahr wird der Schutzschirm anlässlich einer Zeremonie geöffnet und die Einwohner dürfen an der rituellen Begehung der Umgebung teilnehmen, wenn sie alt genug sind und es sich leisten können.
  Das Ehepaar Layline und Jacqumed hat zu einem gesellschaftlichen Zusammentreffen geladen, dessen Höhepunkt die Begehung sein soll. Begehungen bieten immer Überraschungen. Begegnungen mit wilden Tieren und menschlichen Bewohnern der Welt außerhalb der Kuppelstadt.
 
  Der Erstling von Janko Kozmus besticht nicht nur durch seinen originellen Hintergrund, besonders fällt sein Erzählstil auf. Alles wird immer aus der Sicht irgendeiner der Personen beschrieben, meist durch Dialoge oder ihre Gedankengänge. Dieses Stilmittel bewirkt, dass der Roman in gewisser Weise an einen Film mit seiner durch Schnitte bestimmten Erzähltechnik erinnert.
  Natürlich treten dadurch die Charaktere sehr deutlich hervor und die Handlung scheint nur eine Bühne für ihr Wirken zu sein. Aber die von Janko Kozmus beschriebene Zukunftsvision ist beileibe nicht nur Staffage. Im Laufe des Romans erfährt der Leser immer mehr über die Hintergründe, die Geschichte, Gesellschaftsstruktur, das politische System usw. der Kuppelstadt Khartoum Portionsweise bei Gesprächen zwischen den zahlreichen Protagonisten. Langsam entsteht ein immer dichter werdendes Bild dieser Zukunftsvision. Geschickt und ohne zu übertreiben, sind eigenartige Wurzeln zur Vorstellungswelt der Kuppelstadtbewohner eingeflochten, wie z.B. die Angst vor Vögeln.
  Wird der erste Teil aus der Sicht, der sich auf die Begehung vorbereitende Gesellschaft des Ehepaars Layline und Jacqumed erzählt, geschieht das später aus der Sicht von in ihren Häusern zurückgebliebenen Beobachtern, die das Geschehen in einer Fernsehübertragung verfolgen. Damit wirkt das Draußen fremder und gleichzeitig erzeugt dieser kleine Kunstgriff zusätzlich Spannung. Diese Spannung wird aber nicht aufgelöst, das Ganze bleibt mehr ein kurzer Einblick in eine fremdartige Zukunft, als eine Erzählung. Und besonders der Schluss lässt den Leser mit mehr Fragen als Antworten zurück.

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