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John Irving
Garp und wie er die Welt sah
(The World According to Garp, 1978)

Rowohlt
1998
Übersetzt von Johannes Sabinski
644 Seiten
DM 18,-


Von Alfred Ohswald am 11.09.1999

  Garp wird unter, gelinde gesagt, sehr eigenartigen Umständen gezeugt und dann von seiner sehr eigenwilligen, aber auch selbstbewußten Mutter allein aufgezogen. Er beschließt schon relativ früh, und nicht zuletzt um das Herz seiner Lesewütigen zukünftigen Frau zu gewinnen, Schriftsteller zu werden. Während er noch mit den Anfängen kämpft, schreibt seine Mutter bereits ihre Biographie und hat einen durchschlagenden Erfolg mit dem Buch. Dadurch ist der jung verheiratete Garp relativ frei von finanziellen Zwängen und kann sich neben seiner Tätigkeit als Hausmann, ausgiebig dem Schreiben widmen. In seiner Ehe und seinem Berufsleben geschehen nicht besonders außergewöhnliche Krisen und Hochs, bis es eines Tages zu einer schrecklichen Katastrophe kommt.
 
  Obwohl der Roman keinen eigentlichen Plot hat, nimmt er den Leser vom Anfang bis zum Ende gefangen. Dramatisches Geschehen ist mit Humor und manchmal absurden Personen und Ereignissen vermischt und wirft die Emotionen bei der Lektüre von einer Ecke in die Andere. Ob die Hauptfigur sich ständig fast übertrieben um seine Kinder sorgt, die Autoraser in seiner Gegend mit fast religiösen Eifer verfolgt, zwischen Appetit auf fremde Frauen und ehelicher Treue kämpft oder der Frauenbewegung mit schwankenden Gefühlen gegenübersteht, man ist immer an seiner Seite, auch wenn man ihn nicht recht verstehen oder nachvollziehen kann.
  Man verfolgt sein Leben wie das eines guten Bekannten oder Freundes, oft kopfschüttelnd aber immer mit Anteilnahme, eher ohne sich mit ihm zu identifizieren. Vielleicht macht das einen Teil der Außergewöhnlichkeit des Buches aus.
  Bei einer beachtlichen Anzahl von Nebenfiguren zeigt Irving eine Vorliebe für exotische Persönlichkeiten. Sie und fast allen anderen werden mit großer Sympathie von ihm behandelt, und nur einige wenige, wie zB. der junge Mann mit dem Garps Frau ihn betrügt, werden ohne Nachsicht als "Bösewichte" beschrieben.

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