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Kai Meyer
Das Gelübde
(1998)

Heyne
1999
2005 Seiten
€ 6,95


Von Alfred Ohswald am 20.01.2002

  Anfang des 19. Jahrhunderts trifft Clemens Bretano in der kleinen Stadt Dülmen, in der Nähe von Münster ein. Sein Bruder hat ihn gebeten, sich die stigmatisierte Nonne Anna anzusehen. Clemens ist Atheist und ein Mann mit reichlich weltlicher Erfahrung. Anna ist von ihren Wunden und fast keiner Nahrungsaufnahme geschwächt schon seit Jahren bettlägrig. Der skeptische Clemens stößt bei Annas Vertrauten, ihrem Arzt Dr. Wesener, ihrer Schwester Gertrude und ihrem Beichtvater Pater Limberg sofort auf eisige Ablehnung. Nur ihr väterlicher Beschützer, der alte Abbé Lambert begegnet ihm freundschaftlich.
  Doch gleich bei seiner ersten Begegnung mit Anna wird er von ihrer Ausstrahlung in den Bann gezogen. Schnell entwickelt sich eine enge Freundschaft. Als Clemens plötzlich ähnliche Visionen wie Anna heimsuchen, verunsichert ihn das einigermaßen. Und seine Versuche, einen Schwindel Pater Limbergs oder von sonst jemand hinter Annas Zustand zu entdecken, tragen auch keine Früchte. Er wird nur immer tiefer in den Bann ihrer Persönlichkeit und ihrer Visionen hineingezogen.
 
  Kai Meyer schieb in „Das Gelübde“ seine Version der Geschichte von Anna Katherina Emmerik und ihrem Biografen und Vertrauten Clemens Bretano. Geht die Kirchengeschichte von einer rein von Glauben und Wunder handelnden Geschichte aus, so stellt Meyer die gegenseitige Anziehung zwischen diesen beiden Menschen in den Mittelpunkt seines Romans. Er kommt nicht ganz ohne Übersinnliches aus, lässt dabei dem Leser allerdings Spielraum für eigene Interpretationen.
  In „Das Gelübde“ verarbeitet Kai Meyer zwar auch einen historischen Stoff zu einem Roman, wie auch sonst in seinen historischen Romanen. Aber sonst handelt dieser Roman fast ausschließlich vor einer besonderen Beziehung, und die sonst von ihm gewohnte, krimiartige Hintergrundhandlung ist fast nicht vorhanden. Ein Roman mit wenig „Action“ für diesen Autor. Trotzdem schafft er mit seiner geradlinigen Erzählweise Spannung.

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