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Kai Meyer
Der Rattenzauber
(1995)

Heyne
1999
349 Seiten
€ 6,95


Von Alfred Ohswald am 18.01.2002

  Robert von Thalstein, ein junger Ritter Herzog Heinrichs, wird im Jahr 1284 in die Stadt Hameln geschickt, um das Schicksal von 130 verschwundenen Kindern aufzuklären. Hameln war einst seine Heimatstadt, ein dramatisches Ereignis trieb ihn als Kind in die Fremde. In Hameln trifft er auf eisige Ablehnung, ja regelrechte Feindschaft. Oft muss er um sein Leben fürchten.
  Da ist der ehrgeizige Probst Gunthar von Wetterau und seine dem heidnischen Gott Wotan anhängende Schwester. Ein Kloster mit Schwestern, die ein Schweigegelübde abgelegt haben. Eine dieser Schwester gibt ihm Rätsel auf, ist es seine tot geglaubte Schwester oder die rachsüchtige Tochter des Bürgermeisters? Dann sind da noch die in ihn verliebte Tochter seiner Herbergswirtin und ein Einsiedler.
  Bald fühlt sich Robert unweigerlich in einem Netz von undurchsichtigen Intrigen verwickelt. Kinder werden ermordet und er selbst scheint der Mörder zu sein ...
 
  Kai Meyers erster historischer Roman folgt schon demselben Schema, dem er auch später erfolgreich treu bleiben wird. Ein historisch gut recherchierter Hintergrund und eine Portion Mystik liefert ihm den Rahmen für einen spannende Geschichte.
  Hier ist es die Sage um den Rattenfänger von Hameln, den er in einer Art mittelalterlichen Krimi gleichzeitig in seiner Version entzaubert und trotzdem viel unerklärlich Mysteriöses einflechtet. Die mittelalterliche Welt mit ihrem allgegenwärtigen Aberglauben und ihrem archaischen Christentum wird von ihm sehr glaubhaft beschrieben. Sein Held ist ein Mensch dieser Zeit mit allen seinen Vorurteilen und seiner heute unverständlichen Weltanschauung. Er macht es sich nicht einfach, indem er einen Helden mit modernen Weltbild in diese Zeit versetzt.
  Die Charakterzeichnungen machen, neben dem ausgezeichneten Hintergrund und der Spannung erzeugenden, krimiähnlichen Handlung, die Romane Kai Meyers mit zu den besten historischen Romanen, die deutschsprachige Autoren zurzeit schaffen. Und sie brauchen den internationalen Vergleich in der Unterhaltungsliteratur nicht scheuen.

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