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Fjodor M. Dostojewskij
Der ewige Gatte
(Vecnyj muž, 1870)

Patmos
1997
Übersetzt von Fritz Bennewitz
191 Seiten
€ 6,90


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Von Alfred Ohswald am 09.01.2002

  Der knapp 40jährige Iwan Alexejewitsch Weltschaniow befindet sich in einer leichten Krise. Er neigt in letzter Zeit zu sehr zum Grübeln und entwickelt sich zum Hypochonder. Nicht zuletzt ein ärgerlicher Prozess setzt ihm zu. Besonders ärgert er sich über einen Mann mit Trauerflor am Hut, dem er immer wieder über den Weg läuft. Er stellt sich als der Ehemann einer ehemaligen Geliebten von ihm heraus. Die Frau ist gestorben und der einst gehörnte Ehemann, Pawel Pawlowitsch Trusotzki, hält sich zur Zeit mit seiner zehnjährigen Tochter Lisa in Petersburg auf. Er kontaktiert Weltschaniow und dieser erfährt von dem Mädchen, dass seine Tochter ist. Er weiß allerdings nicht, ob Trusotzki von seinem Verhältnis mit seiner verstorbenen Frau weiß.
  Trusotzki behandelt Lisa schlecht und spricht zu sehr dem Alkohol zu. Darum beschließt Weltschaniow, Lisa zu einer befreundeten Familie zu bringen. Die Bekanntschaft zu Trusotzki entwickelt sich immer wieder als problematisch, doch irgendwie kommt Weltschaniow nicht von dem Mann mit dem zweifelhaften Charakter los. Manchmal wirkt dieser Trusotzki geradezu rührend tölpelhaft, manchmal wieder berechnend und bösartig. Als er sich weigert, seine schwer kranke Tochter zu besuchen und diese bald darauf stirbt, glaubt Weltschaniow endgültig mit ihm fertig zu sein. Doch ihre seltsame Beziehung ist noch nicht vorbei.
 
  Dostojewskis Held steckt selbst in einer Art Midlifekise und wird durch die Begegnung mit dem zweifelhaften Trusotzki, dessen Absichten weder er noch der Leser die meiste Zeit erkennen können, noch mehr aus der Bahn geworfen. Trusotzki ist „Der ewige Gatte“, bieder, harmlos und unterwürfig als verheirateter Mann; ständig betrunken, herumhurend, voller weinerlichen Selbstmitleids und zerstörerisch für seine Mitmenschen ohne diesen Halt. Als er nach dem Tod seiner Frau mit ihrer Untreue und ihrem Liebhaber konfrontiert wird, schwankt er zwischen einer eigenartigen Zuneigung und Hass.
  Die Erzählung schwankt genial an der Grenze zwischen Burleske und Tragödie entlang. Erst das Ende bietet eine Art heitere Befreiung für die Hauptfigur und auch den Leser. Und natürlich ist diese Erzählung ein sprachlicher Leckerbissen, wie diesem Meister der Formulierkunst nicht anders zu erwarten.

 

 

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