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Thomas Glavinic
Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

Volk & Welt
1998
228 Seiten
DM 16,-


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Von Gabriele Saul

  Thomas Glavinic, Jahrgang 1972, schreibt Reportagen, Erzählungen und Hörspiele und lebt in der Steiermark. Mit seinem ersten Roman hat er einen beachtlichen Beitrag zur österreichischen Literatur geschaffen.
  Die Handlung ist angesiedelt in der Zeit vor ersten Weltkrieg, wo in Wien und Berlin die Schachweltmeisterschaft zwischen dem Titelverteidiger Emanuel Lasker und dem Herausforderer Carl Haffner ausgetragen wird. Glavinic versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen, indem er zwischen den einzelnen Schachzügen in Rückblenden die Lebensgeschichte Carls, seine Ärmliche und trostlose Kindheit, erzählt. Er ist regelrecht besessen vom Schachspiel und findet in Samuel Gold einen Förderer, der ihn in die Lehrsätze des regierenden Schachweltmeisters Steinitz einführt und ihn Taktik und Strategie lehrt.
  Seine Spielweise zeichnet sich dadurch aus, daß er zum Meister des "Remis" wird, er läßt sich nicht aus der Reserve locken und verunsichert so seine Gegner. Haffners Spielstärke wächst zusehends, bis es zum alles entscheidenden Weltmeisterkampf gegen Lasker kommt: Es fehlt ihm letztendlich nur noch ein einziges Unentschieden bei der letzten Partie, dann hätte er Lasker zum Aufgeben gezwungen. - Der Kampf der beiden um Rössl, Dame und König ist meisterhaft herausgearbeitet. Umfeld und Milieu der Großmeister, Schachexperten und Gönner werden lebendig und spannend beschrieben.

 

 

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