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Thomas Glavinic
Carl Haffners Liebe zum Unentschieden
(1998)

dtv
2006
208 Seiten
ISBN-13: 978-3423134255
DM 9,90


Von Gabriele Saul

  Thomas Glavinic, Jahrgang 1972, schreibt Reportagen, Erzählungen und Hörspiele und lebt in der Steiermark. Mit seinem ersten Roman hat er einen beachtlichen Beitrag zur österreichischen Literatur geschaffen.
  Die Handlung ist angesiedelt in der Zeit vor ersten Weltkrieg, wo in Wien und Berlin die Schachweltmeisterschaft zwischen dem Titelverteidiger Emanuel Lasker und dem Herausforderer Carl Haffner ausgetragen wird. Glavinic versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen, indem er zwischen den einzelnen Schachzügen in Rückblenden die Lebensgeschichte Carls, seine Ärmliche und trostlose Kindheit, erzählt. Er ist regelrecht besessen vom Schachspiel und findet in Samuel Gold einen Förderer, der ihn in die Lehrsätze des regierenden Schachweltmeisters Steinitz einführt und ihn Taktik und Strategie lehrt.
  Seine Spielweise zeichnet sich dadurch aus, daß er zum Meister des "Remis" wird, er läßt sich nicht aus der Reserve locken und verunsichert so seine Gegner. Haffners Spielstärke wächst zusehends, bis es zum alles entscheidenden Weltmeisterkampf gegen Lasker kommt: Es fehlt ihm letztendlich nur noch ein einziges Unentschieden bei der letzten Partie, dann hätte er Lasker zum Aufgeben gezwungen. - Der Kampf der beiden um Rössl, Dame und König ist meisterhaft herausgearbeitet. Umfeld und Milieu der Großmeister, Schachexperten und Gönner werden lebendig und spannend beschrieben.

Von Alfred Ohswald am 29.06.2016

  Dieses Debüt Glavinics handelt von einem berühmten Weltmeisterschaftskampf 1910 im Schach zwischen dem deutschen Spieler Emanuel Lasker und Carl Schlechter, wobei der als Romanfigur den Namen Carl Haffner verpasst bekommt. Und da Glavinic diesen Kunstgriff gewählt hat, sind Kritiken über etwaige Unterschiede zwischen dieser und der realen Person nicht angebracht.
  Zwischen der im Zentrum stehenden, sehr gut gelungenen Erzählung des Wettkampfes, bei der glücklicherweise fast komplett auf die Beschreibung einzelner Züge verzichtet wird, wird Haffners Familiengeschichte erzählt. Zumindest seit seinem Großvater.
  Dieser Wettkampf ist besonders deshalb legendär, weil es Lasker erst in der letzten von zehn Partien gelang auszugleichen. Diese letzte Partie ging dann auch wegen ihrer hohen Qualität in die Schachgeschichte ein. Wer sich allerdings für die Schachpartie selbst interessiert, muss sich im Internet oder in der Schachliteratur danach umsehen. „Carl Haffners Liebe zum Unentschieden“ ist Literatur, wenn Schach auch eine wichtige Rolle darin spielt, stehen doch die Beschreibung von Handlung und Charakteren eindeutig im Vordergrund.

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