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Alan Moore / Ian Gibson
The Ballad of Halo Jones

Titan Books
2001
190 Seiten
$ 12,99


Von Michael Lehmeier am 29.11.2001

  Jedes mal wenn ich zu meinem Laden fahre, will ich normalerweise zusätzlich zu den Routineheftchen ein Taschenbuch mitnehmen. Allmählich wird die Auswahl aber immer geringer, doch dieses Mal stieß ich eher zufällig auf einen Stapel von Alben, der von der Aufmachung her eher unauffällig war. Das gleiche gilt für den Inhalt, der zwar etwas in die Jahre gekommen aussieht, sich mit den meisten modernen Sachen aber immer noch messen kann.
  Es handelt sich um eine Sammlung von Geschichten aus der Frühzeit von der britischen Kultreihe 2000AD, von 1977. Der Name des Autors dieses Werkes ließ mich aufhorchen: es ist die erste Serie des großen, bärtigen Meisters: Alan Moore.
 
  "Where did she go? Out! - What did she do? Everything!"
 
  Halo Jones ist eine von vielen Existenzen aus einem Ghetto auf der Erde, in das Arbeitslose abgeschoben werden. Zusammen mit einigen Freunden lebt sie dort mehr schlecht als recht, bis ihre Gönnerin getötet wird und sie nur noch raus will. Weg von der Erde, hinaus in die Weiten des Weltalls, der Freiheit entgegen.
  Diesem Wunsch geht sie in drei Büchern nach, die hier in einem Album zusammengefaßt sind. Im ersten Buch sieht man sie auf der Erde und wie sie zu ihrem Entschluß kommt. Im zweiten verdient sie sich als Stewardess auf einem Raumkreuzer ihren Lebensunterhalt und landet nach einigen Jahren herumstreunens im dritten Buch beim Militär.
 
  Wie es schon auf dem Heftrücken steht, sollte diese Geschichte auf der Liste für empfohlene Literatur für Feministinnen stehen. Das liegt nicht zuletzt an der "eine Frau steht ihren Mann" Einstellung, sondern vor allem an den Charakterisierungen der Hauptfigur und der Nebenfiguren, die sie über verschiedene Abschnitte ihres Lebens begleiten. Tatsächlich scheint Halo in Buch 1 mehrmals eine Nebenfigur in ihrer eigenen Serie zu sein.
 
  Obwohl die Serie aus 2000AD stammt, die so martialische Gewaltorgien wie Judge Dredd, Slaine, Sinister Dexter und Durham Red hervorgebracht hat, ist sie selbst recht harmlos. Zwar finden auch hier die üblichen weltenumspannenden Metzeleien statt, aber nie vordergründig, und das macht sie viel schauriger. Sie werden wie Einträge in ein Geschichtsbuch abgehakt, obwohl sie für Halo von großer Bedeutung sind. Sogar in Buch 3, in der sie beim Militär und im Krieg ist, gibt es zwar einige Kämpfe, doch die Gegner bekommt man kaum zu Gesicht. Der Kampf an sich ist schließlich nebensächlich. Qualitativ fängt das Album eher mittelmäßig an. Buch 1 ist noch eher humorlastig und bezieht seinen Witz aus Situationskomik und Sci-Fi Absurditäten. Aber das ist nicht Alan Moore's Stärke und so wechselt die Geschichte mehr und mehr zu einem Drama. Band 2 ist zwar noch mehr Seifenoper, hat aber schon einige der Nebenhandlungen und Einzelgeschichten, die ich in dem Album so mag.
 
 (Spoiler)
  Wie zum Beispiel die etwas kuriose aber einfallsreiche Geschichte der Person, die so langweilig ist, daß niemand sie bemerkt. Am Ende stirbt sie dabei, wie sie Halo das Leben rettet, doch keiner bemerkt das. Zitat Halo danach: "Hey, is there something missing from this cabin? It's like we've got more room."
 
  Band 3 ist dann der Höhepunkt von sowohl der Geschichte, als auch der Qualität. Die Hauptperson, die der Leser zu diesem Zeitpunkt hoffentlich schon in sein Herz geschlossen hat, wird in einen Krieg geworfen, wo sie alle Höhen und Tiefen durchmachen muß. Der Autor benutzt dies, um nebenbei noch einige ernste, eindringliche Nebenhandlungen einzuführen. Für die, die's schon gelesen haben, folgende Zitate aus Szenen, die mich besonders beeindruckt haben:
 
 (keine Spoiler)
  "I saw someone get older after they were dead."
  "She turned away from me, to watch the eggs exploding.."
  "and then I stumbled through the doors after Mona ..., and private Exxon followed right behind me."
  "Luiz, you lied!" (sowohl was davor, als auch was danach passiert)
  Diese Szenen zeigen voll den Alan Moore von heute.
 
  Noch ein Wort zu den Zeichnungen. Sie sind schwarz/weiß, realistisch und klar, wenn auch oft stilisiert. Mich erinnern sie noch am nächsten an Night Vision. Die Detailgenauigkeit nimmt von Buch zu Buch stark zu.
 
 Fazit: (Spoiler)
  Halo Jones war ursprünglich auf sieben Bücher angesetzt. Aber das dritte Buch ist schon so abgeschlossen, daß man nicht unbedingt eine Fortsetzung braucht. Halo Jones hat erreicht, was sie wollte. Sie ist frei und hat das ganze Universum vor sich. Aber sie ist alleine, alle ihre Freunde sind tot oder sonstwo. Und sie hat unterwegs ihre Unschuld verloren. Zuerst unbewußt und unverschuldet, ganz am Schluß aber ganz bewußt.
  Die Engländer würden sagen "bittersweet". (kennt jemand ein deutsches Wort dafür?)

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