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Kazuo Koike/Goseki Kojima
The Assasin's Road
Lone Wolf and Cub 1

Dark Horse
2000
296 Seiten


Von Michael Lehmeier am 28.11.2001

  Kennengelernt habe ich diese Serie ursprünglich über den Fernsehsender VOX, wo dessen Verfilmung mal lief. Der Film war sehr gut, wenn auch vielleicht nicht Weltklasse. Aber er hatte viele Elemente, die in sehr interessant machte. Daß es sich um eine Comic-Verfilmung handelt, habe ich erst viel später erfahren, als die Verfilmungen auf DVD angekündigt wurden. Und dann kam da diese neue Ausgabe der Serie bei Dark Horse in den USA und Lobesallüren begannen. Da habe ich zugegriffen.
  Gleich mal eines vorweg, obwohl ich insgesamt Mangas sehr gerne habe, schien für mich die Qualität zugunsten der Quantität gewaltig nachzulassen. Zwar gibt es immer wieder Glanzlichter wie Nausicaa letztens, aber ich bin insgesamt doch recht vorsichtig geworden, auch bei angeblich hervorragenden Serien. "Lone Wolf and Cub" ist ohne Zweifel eine dieser positiven Ausnahmen, die mich immer weiter hoffen lassen, daß es noch weitere absolute Klassiker da draußen gibt, die darauf warten, von mir entdeckt zu werden. Es gab einmal eine deutsche Veröffentlichung von Carlsen, als ihre Mangas noch richtig teuer waren, unter dem Namen "Oogami" (?), die von ihrer Erscheinungsweise und der Auswahl ihrer Geschichten (sie ist nur sehr unvollständig) nicht überzeugen konnte, wie ich inzwischen feststellen konnte.
 
  Die Serie handelt von einem in Ungnade gefallenen Scharfrichter eines Shoguns und dessen kleinen Sohn, die rastlos durch die Lande ziehen und der als teurer Auftragsmörder seinen Lebensunterhalt verdient. Die von Dark Horse veröffentlichten Taschenbücher enthalten jeweils mehrere Geschichten. Der Zeichenstil ist typisch japanisch, aber ziemlich realistisch gehalten.
  Ich muß zugeben, am Anfang war ich skeptisch. Irgendwie befürchtete ich eine Routine von Auftrag, Kampfszene, und das war`s dann. Denkste. Die Kampfszenen sind zwar blutig, aber schnell beendet. Nicht diese Hong-Kong Prügeleien, die sich ewig ziehen. Aber das ist nur realistisch, denn kein Meister der Kriegskunst läßt sich auf lange Kämpfe ein. Das ist auch gut, weil diese Actionsequenzen zwar ordentlich, aber doch eher langweilig sind.
 
 Nein, was diese Serie so beeindruckend macht, sind zwei Eigenschaften:
  Punkt eins, Realismus, oder zumindest scheinbarer Realismus. Nicht diese Superfähigkeiten des Protagonisten, gegen den zwanzig bewaffnete Krieger keine Chance haben. Nein, es ist der Realismus, der vom gesellschaftlichen und politischen Umfeld, in dem die Geschichten spielen, ausgeht. Es ist normalerweise vollkommen uninteressant, wie der Mörder seine Opfer umbringt. Deshalb wurde viel Aufmerksamkeit den Gründen für diese Aufträge geschenkt. Und die Methoden, die die Hauptfigur anwendet, um sie zu erreichen. Das alles spielt in der harten und strikten Welt des Japans der Shogunate, und ich habe bisher noch nie eine Geschichte gelesen oder einen Film gesehen, der mir diese Zeit besser und realistischer vor Augen geführt hat. Wobei ich aber nicht mit letzter Gewißheit beurteilen kann, ob es auch wirklich so war, schließlich bin ich kein Historiker. Aber der Autor wich weit genug von den heutigen Standarts der Political Correctness ab, um diesen Eindruck zu erwecken.
  Womit ich zum zweiten Pluspunkt der Serie komme. Der fast absolut unnahbare Samurai und dessen kleiner Sohn. Er beeindruckt durch seine Ruhe, seine Zielstrebigkeit. Daß er nicht völlig gefühllos ist, ob in Mitleid oder Zorn, merkt man nicht an seinem Gesicht, und nur sehr selten in seinen Taten. Das ist durchaus verständlich, gehörte es doch zu seiner Berufung als Scharfrichter unter anderem auch, Kinder zu töten. Seinen Sohn liebt allerdings offensichtlich. Er bring ihn zwar immer wieder in Gefahr und benutzt ihn sogar manchmal als Lockvogel. Aber er beschützt ihn auch und tut alles für ihn.
 
  Die wahre Größe der Serie kann man am besten anhand von Beispielen beschreiben. Bei einem Auftrag pinkelt sein Sohn scheinbar versehentlich einen vorbeiziehenden Fürsten an. Dessen Leibwächter fordern den Kopf des Kleinen doch sein Vater schreitet ein. Der Fürst ist so gut die Situation entschärfen zu wollen und würde es bei einer Entschuldigung seines Vaters belassen. Der lehnt ab. Es kommt zu einem Ehrenduell, daß der fairness halber Dokumentarisch besiegelt ist. So kann der Mörder sein Opfer, diesen Fürst, vollkommen legal töten, ohne daß einer ihm etwas anhaben könnte.
  Leider fallen mir nur recht wenig hervorragende Storys ein, die man hier mit ein paar Zeilen erklären könnte, da die Erläuterungen über Motive und historische Zusammenhänge die Bedeutung der Ereignisse erst so richtig zur Geltung kommen lassen. Aber eines kann ich versprechen: In jedem der Taschenbücher befinden sich mindestens ein oder zwei Episoden, über die zumindest ich noch Tage nachgedacht habe. In dieser Regelmäßigkeit über einen solchen Zeitraum hinweg (die Serie ist inzwischen bei Nummer 13 angelangt) ist das einmalig.
 
  Dark Horse mußte eine Zeit lang wegen rechtlicher Streitpunkte den Verkauf ins Ausland stoppen. Inzwischen sind aber wieder fast alle Bände bei Amazon zu haben.

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