Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Christoph Wagner/Renate Wagner-Wittula
Christoph Wagner’s Österreichisches Kuchlkastl, Niederösterreich

Pichler Verlag
2001
112 Seiten
öS 198,- € 14,90 DM 27,-


Von Johann F. Janka am 25.11.2001

  Österreich bietet dem Besucher nicht nur eine atemberaubend schöne und abwechslungsreiche Landschaft, sondern ein ebenso traditionsreiche, geschmackvolle Küche.
  Für die 9-teilige Kochbuchreihe „Christoph Wagner’s Österreichisches Kuchlkastl“ haben die Autoren Christoph Wagner und Renate Wagner-Wittula bodenständige und herzhafte, zu den jeweiligen Regionen gehörige Rezepte zusammengestellt.
  Der Niederösterreich-Band aus Christoph Wagners Österreichischem Kuchlkastl zeigt die reichhaltige und überaus vielfältige Küche des größten österreichischen Bundeslandes.
  112 Seiten Niederösterreich pur! Ein Bundesland voll der Abwechslung – mit dem Wald- und Weinviertel, der Wachau, dem Marchfeld, dem Wienerwald und dem Gebirge im südlichen Teil - Äcker, Wiesen, Weinberge, weite Felder, Wälder und Berge. Eine Vielfalt an Regionen – und ebenso mannigfaltig die Speisen.
 
  Von Bekanntem und Bewährtem ist genauso die Rede wie von kulinarischen Schätzen aus den Kochbüchern der Großmütter. Tief lässt das Kochbuch in die Geheimnisse der niederösterreichischen Kochkultur blicken – manch schon vergessenes, oder zumindest nicht mehr sehr oft gesehenes Gericht erfreut sich neuer Frische. Das Inhaltsverzeichnis und ein kurzes Portrait des Bundeslandes Niederösterreich auf den ersten Seiten lässt schon erahnen, dass es in diesem Kochbuch um mehr als nur um die oftmals gewohnte Aneinanderreihung von Rezepten geht.
  Ob es sich dann um eine deftige „Panadel“- oder eine köstliche „Brünnerstraßler Spargelsuppe“ handelt - ganz zu schweigen von der herrlichen „Ganslsuppe“ – oder ob der „Weinviertler Heurigenliptauer“, die -Crepes des Waldviertels - die „Feuerflecken“, ein „Schwammerlstrudel“ oder der „Mostviertler Mostbratl“ den Gaumen erfreuen, das kulinarische Niederösterreich kennt kaum Grenzen. Natürlich haben die Autoren auch weit über Niederösterreich hinaus bekannte und beliebte Rezepte wie „Waldviertler Knödel“, „Grammelstrudel“ und „Bauernschmaus“ in ihr Kochbuch verpackt. Als Nachspeisen sind neben dem „Wachauer Marillen-Trauben-Strudel“, der „Waldviertler Mohntorte“ und den „Mistelbacher Hauerschnitten“ ganz besonders die „Liwanzen“ und die „Skubanki “ hervorzuheben – die merkwürdigerweise in so manchem Kochbuch der böhmischen Küche fehlen und vor einigen Jahrzehnten auch in Wien sehr beliebt waren. Ein kleines niederösterreichisches Kuchl-ABC beschließt das Buch.
 
  Sobald man das Buch aufschlägt und ein wenig darin schmökert wird einem unweigerlich die Verbindung der Gerichte mit den jeweiligen Regionen bewusst. Ohne Frage gibt die nostalgisch-ländliche Gestaltung des Werkes dem Buch beinahe einen eigenen Charakter und obwohl es unter anderem auch mit zahlreichen Glanzfarbfotos ausgestattet ist, bleibt ihm doch dieser heute leider schon vergessene wohlige Anflug eines in der Aufmachung eher bescheidenen aber im Inhalt umso herausragenderen Kochbuchs aus Großmutters Zeiten mit dem dazugehörigem Charme. Diese, sicherlich nicht mit den riesigformatigen Hochglanzbilder(Koch-)Büchern der Haubenköche, die sich ohnehin besser zum Anschauen als zum Nachkochen eignen, vergleichbare Sammlung an Rezept-Geheimnissen brachte mir, als ich es das erste Mal in Händen hielt, augenblicklich Alfred Komareks Romanserie Simon Polt, dessen Handlung im Weinviertel spielt, in den Sinn. Der beste Beweis, wie stark Kochkultur verbunden mit unserem Lebensraum, auch heute noch in unserem Bewusstsein vorhanden ist – stärker als man es in dieser schnelllebigen, hastigen Zeit vermuten würde.
  Für „Das Österreichische Kuchlkastl“ haben die Autoren teilweise schon in Vergessenheit geratene, für das jeweilige Bundesland typische, großteils aus alten Überlieferungen übernommene Rezepte aus der heimischen Küche zusammengestellt.
  Das Buch ist eine gelungene Mischung aus traditionell-ländlichem Kochbuch und zugleich ein Esskulturführer durch Niederösterreich. Das Gesamt-Layout des Werkes vermittelt Bodenständigkeit und Naturverbundenheit und erweckt durch die schlichte Aufmachung den Eindruck einer persönlichen Rezeptsammlung, die durch Anmerkungen zu den verschiedensten Regionen sowie Tipps und Erklärungen zu den Gerichten und deren Namen zusätzlich als Nachschlagewerk dient. Der wichtigste, nennenswerteste Unterschied zu vielen anderen Kochbüchern ist aber der, dass die Rezepte in dem Buch wirklich nachkochbar sind. Allein schon aus diesem Grund sollte diese Kochbuchserie in keiner Küche fehlen, in der gerne und gut, traditionelle, wie auch manchmal deftige, durchaus auch einfache Speisen zubereitet werden. So manches in diesem Schmankerlbuch genanntes Gericht verbirgt hinter der schlichten Fassade ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis.
  Christoph Wagners Österreichisches Kuchlkastl ist nicht nur eine Anregung zum Kochen und ein umfangreiches Nachschlagewerk in neun Bänden – sondern auch eine wahre Schatztruhe für alle Genießer der österreichischen Küche und insbesondere für jene, die sich mit der echten regionalen Kochkultur auseinandersetzen möchten.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.