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Bruce Sterling
Heavy Weather
(1994)

Spectra Books
1996
$ 6,99


Von Till Westermayer am 15.10.2001

  Ein Ausflug nach post-disaster-Amerika: Das globale Klima spielt verrückt, Texas hat sich in eine ausgetrocknete Steppe verwandelt, die nur ab und zu von Regen heimgesucht wird - und häufig von schweren Stürmen und Tornados. In den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts kommen wir zusammen mit Jane Unger und ihrem chronisch krankem und nörgelnden Bruder Alex bei einer Sturmtruppe der anderen Art an: Rund um den Wissenschaftler Jerry Mulcahey hat sich eine Gruppe gebildet, die mit Hilfe neuster Technik (mostly military surplus _) und ohne Geld Stürme jagt: auf der Suche nach dem von Mulcahey vorhergesagten, eine Größenordnung schlimmer als alles bisher bekannte wütenden F6.
 
  Eine der im Buch zitierten Lobpreisungen spricht hier von Cyberpunk mit Familienanhang - und das trifft es ganz gut. So verrückt die Mitglieder der Storm Troupe auch sein mögen - eigentlich sind es ganz normale Menschen einer post-disaster-Welt mit Familienverbindungen und Beziehungen: Charaktere, keine einsamen Cowboys. Auch die klassischen Konsolenhacker des Cyberpunks kommen vor - »virchen« (also: VR-en) ist zu einer alltäglichen Handlung geworden, nicht nur das Netz wird gehackt, sondern auch die Nahrungsmittelversorgung (zum Beispiel die Ziegenherde mit Genveränderungen) und die Kleidung (Papier ist prima). Fortgeschrittene Technik (Solararrays, Ultralights, Airpacks, intelligente Fahrzeuge und Materialien) und das Netz sind aber in den Hintergrund geraten, gehören zur verrückten Normalität einer aus den Fugen geratenen Welt hinzu: und diese Grundstimmung realistisch zu vermitteln, gelingt Sterling mit Heavy Weather meisterhaft. Schwächer ist in meinen Augen dann der etwas weltverschörerisch geratene Schluss.
 
  Ansonsten nimmt der Roman einige Figuren und Konstellationen voraus, die auch in Distraction wieder auftauchen: auffällig ist dies besonders an der Grundfigur der 'Krewe' rund um einen genialischen Mittelpunkt, die als quasi-autonome Gruppe in einer Welt agiert, in der Staaten nicht mehr viel zu sagen haben. Ein SF-Roman? Ein postmoderner Abenteuerroman? Ein Öko-Thriller? Letztlich ein bißchen von allem - und ein Roman, der bei Sterlings Wandlung vom Cyberpunk-Autor zur politischen Intrige irgendwo mitten auf dem Weg angesiedelt ist.

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