Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Anant Kumar
Kasseler Texte
Gedichte, Geschichten, Glossen,...
(1998)

Wiesenburg
2000
70 Seiten
DM 19,80


Von Kathrin Vent am 09.10.2001

  Durch seine unmittelbare Sprache gelingt Anant Kumar den Lesern das Leben mikroskopisch nahe zu bringen. Der Autor arbeitet in diesen Texten als Wortsetzer: Die Sprache wird karg und durchdacht eingesetzt, und die konventionelle Dudennorm wird hin und wieder dem Text-/ Satzrhythmus untergeordnet - gekonnt: "Gestern spuckte einer auf die Straße./ Meine Herrin ihn beschimpfte* und damit nicht aufhörte*."(S. 7 Der Dackel)
  Der Schauplatz dieses modernen kaleidoskopischen Buches ist Kassel, die keine allzu sehr abgefahrene Metropole der Postmoderne ist. Die 23 Texte (Gedichte, Kurzgeschichten, Beobachtungen, Skizzen, Reflexionen) fokussieren schalkhaft auf die unterschiedlichsten Facetten der deutschsprachigen Gesellschaft, die sich zwischen dem nordhessischen Dorf "Kaufungen" bis zur vibrierenden Tanzfläche - auf der die Ethnizitäten und die Altersunterschiede zu verschmelzen drohen - des Danceclubs "Gleis Eins" streckt.
  Das Multikulturelle, eines der Leitmotive, wird in den Texten nicht als Konflikt zwischen Nichtdeutschen und Deutschen behandelt, sondern als die unmittelbaren agierenden Erscheinungen der deutschsprachigen Gesellschaft aufgezeigt. Die Menschen/ Leser mögen darüber lachen, schmunzeln oder schluchzen.
  Mit dem listigen Humor wird das Ungewöhnliche gewöhnlich dargestellt. Und mal kommt das Mögliche unmöglich vor.
 
  Kasseler Texte, ein Gesellschaftskatalysator, bei deren Lektüre der Lesende lachend über Erscheinungen und Phänomene der deutschsprachigen Gesellschaft grübelt - ununterbrochen, und wenn das nicht, dann lacht einer bis zum Ende, bis zum grotesken Flugabsturz.

Von Anna Narojek am 26.03.2002

  Als "kraftvoll und bildhaft" bezeichnete die HNA (die größte Tageszeitung Nordhessens) die Sprache des Dichters Anant Kumar. Sein erster Lyrikband "Fremde Frau - Fremder Mann" ließ zu diesem Entschluß kommen. Das zweite Buch "Kasseler Texte", eine Sammlung von Gedichten, Kurzgeschichten und Beobachtungen, bestätigt diese Feststellung.
 
  Auch wenn Anant Kumar im zweiten Buch seine lyrische Sprache behält, läßt sich hier schon eine Entwicklung erkennen. Wörter wie "fremd" oder "Fremde" treten seltener auf. Dagegen verkündet schon der Titel "Kasseler Texte", dass sich der Dichter mittlerweile heimischer in Kassel fühlt. die "Kasseler Texte" zeigen Indien und Deutschland auf der gleichen ebene. Es sind Texte über Kassel, eine Stadt, in der Anant Kumar lebt und schreibt, in der er sich auskennt, mit ihren Diskotheken, wie die Einrichtung Gleis 1, der er einen ganzen Zyklus widmet, mit der Uni-Cafeteria, mit der Mensa... Er fühlt sich hier zu Hause, nachts in Träumen flieht er aber jedoch nach Indien (Geschichten: "Der Dieb und die Dieberei" und "Bezeichnungen")
 
  "Kasseler Texte" sind sowohl für Ausländer, als auch für Deutsche eine amüsante Lektüre. Die ausländischen Leser werden Kumar oft zustimmen, weil sie sich selbst in den Texten wiedererkennen. Deutsche werden über Verhaltesweisen staunen, die sie in ihrem Heimatland nicht vermutet hätten.
 
  Das Buch "Kasseler Texte" enthält auch Gedichte, die weder mit der Nationalität noch mit der Stadt Kassel zu tun haben. Der witzige "Dackel" bringt jeden zum lachen, und die Maus im Labyrinth aus dem Gedicht "Ausweg" bewegt alle zu einer inneren Reflexion.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.