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Yasmina Khadra
Herbst der Chimären
(L’Automne des chimères, 1998)

Haymon
2001
Übersetzt von Regina Keil-Sagawe
157 Seiten
DM 29,80 öS 218,- sFr 28,- € 15,90


thalia.at
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Von Alfred Ohswald am 18.09.2001

  Commissaire Llob begleitet einen bekannten Maler in sein Heimatdorf zum Begräbnis seines von islamischen Terroristen ermordeten Bruders. Als er nach Algier zurückkehrt, erfährt er von seiner Entlassung aus dem Polizeidienst. Neben seiner Tätigkeit als Polizist, schreibt er Romane. Darin hält er sich mit Kritik an den Zuständen in Algerien nicht zurück und hat sich damit mächtige Feinde geschaffen. Er könnte seinen Posten bei der Polizei retten, wenn er öffentlich seine im Roman erfolgte Kritik zurücknimmt. Doch dazu ist Llob nicht bereit. Aber auch als Privatmann wird er im Auge behalten und immer wieder mehr oder weniger subtil unter Druck gesetzt.
  Bei einem Besuch in seinem Heimatdorf erlebt er hautnah die katastrophalen Umstände mit, unter denen die Bevölkerung dort unter den ständigen Übergriffen von Banditen und islamischen Terrorgruppen zu leiden hat. Mit dem Mut der Verzweiflung versuchen sie sich selbst zu schützen und gleichzeitig eine Art möglichst normales Leben zu führen.
 
  Der dritte Roman, den Mohammed Moulessehoul unter seinem Pseudonym Yasmina Khadra, dem Namen seiner Frau, geschrienen hat, ist gleichzeitig der Letzte mit dieser Hauptfigur. Waren die beiden vorherigen Llob-Romane Krimis, ist „Herbst der Chimären“ der Ausklang der Reihe, in der das entgültige Scheitern Llobs vor den Verhältnissen in Algerien erzählt wird. Das Buch ist darum eigentlich nur für Leser zu empfehlen, die zumindest einen der beiden Vorgänger gelesen hat. Es ist ein Resümee, eine Kapitualtion und der Abschied der Autors von Algerien aber eigentlich kein Krimi im eigentlichen Sinn. Blieb Mohammed Moulessehoul nichts anders übrig, als ins Exil nach Frankreich zu gehen, lässt er seine Figur Llob dramatischer scheitern.
  Wie in seinen Vorgängern, gibt es auch in diesem dritten Llob-Roman tiefe Einblicke in die wenig Hoffnung erweckenden Zustände in Algerien. Moulessehoul beschränkt seine überaus deutlich und unmissverständlich vorgetragene Kritik nicht auf eine Seite der Konfliktparteien. Gerade die vielen beteiligten Gruppen, jede stur ihre eigenen Interessen verfolgend, machen eine Bewältigung der Probleme schier unmöglich. Daran scheint auch kaum jemand wirklich interessiert zu sein. Unter diesen Umständen muss eine Persönlichkeit wie Llob, zwischen allen Stühlen sitzend, zwangsweise scheitern.
  In einem ausführlichen Nachwort von Beate Burtscher-Bechter erfährt man vieles über den algerischen Bürgerkrieg, den Autor und seine Situation.

 

 

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