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John Irving
Laßt die Bären los!
(Setting Free the Bears, 1968)

Diogenes
1987
Übersetzt von Michael Walter
507 Seiten
DM 22,90 öS 167,- sFr 22,90


Von Alfred Ohswald am 04.09.2001

  Hannes Graff, gerade durch eine Prüfung an der Uni durchgerasselt, trifft vor einem Motorradgeschäft den kauzigen Typen Siggi Javotnik und freundet sich schnell mit ihm an. Beide sind der Stadt Wien überdrüssig und beschließen, eine Spritztour mit dem Motorrad zu machen. Mögliches Ziel ist das Meer in Italien, aber so genau steht das nicht fest.
  Am Land ernähren sie sich wegen ihrer begrenzten finanziellen Mittel vorwiegend von selbst gefischten Forellen und schlafen in freier Natur. Siggi erzählt Graff immer wieder von seinem Wunsch, die Tiere des Schönbrunner Tiergartens zu befreien. Die scheint eine fixe Idee von ihm zu sein.
  Unterwegs treffen sie auf ein Mädchen, dass zu einem neuen Arbeitsplatz bei einer Tante unterwegs ist. Sie nehmen sie mit. Graffs Ungeschicklichkeit führt dazu, dass er sich die Beine am Auspuff der Maschine ordentlich verbrennt und darum landet als kurzfristiger Pflegefall auf einem Zimmer im Hotel der Tante.
  Die Dorfbewohner vermuten, dass die beiden Freunde Landstreicher sind, und darum macht sich Siggi kurzfristig aus dem Staub. Er verspricht, Graff später rauszuholen. Inzwischen will er die Verhältnisse im Tiergarten Schönbrunn ausspionieren, um seine Befreiungsaktion planen zu können.
 
  Irvinds erster Roman spielt ausschließlich in Österreich der Nachkriegszeit und in Jugoslawien während des 2. Weltkrieges. Er hielt sich selbst während seiner Studienzeit einige Zeit in Wien auf und hat sich dabei bemerkenswert viele Details gemerkt. Sicher hat er auch gründlich recherchiert, was in noch größerem Ausmaß für die Teile des Buches gilt, die im Jugoslawien spielen. Dieser Teil könnte bei vielen Lesern mehr zum Verständnis der ethnischen Konflikte dort beitragen, als so mancher kluge Kommentar in den Medien.
  Irvings Vorliebe für skurrile Figuren und absurde Situationen ist auch hier schon unverkennbar bemerkbar. Seinen typischen Stil sollte er zwar erst mit seinem vierten Roman „Garp“ finden, aber alle Ansätze sind hier schon vorhanden.
  Weil das Buch über weite Teile in Österreich spielt, hätte ein österreichischer Übersetzer besser gepasst. „Schnacken“ kennt hier kaum jemand, hier sind das „Gelsen“. Und ob das eigenartige Schimpfwort „verfrottet“ u.ä. bedeuten soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise ein erfundenes Kunstwort, in Österreich ist es mir zumindest noch nicht untergekommen.

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