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Alfred Komarek
Himmel, Polt und Hölle
(2001)

Haymon
204 Seiten


Von Alfred Ohswald am 15.08.2001

  Das geruhsame Dorfleben im Weinviertel wird durch einige, boshafte Streiche gestört. Aber langsam werden sie bösartiger und der Gendarm Polt beginnt sich Sorgen zu machen. Ein zum Zynismus neigender Journalist bringt die Dorfruhe ebenfalls durcheinander.
  Bei einer Einladung zu einem Essen beim Pfarrer, bei dem die berühmten Kochkünste der Pfarrköchin Amalie für das leibliche Wohl sorgen sollen, kommt es zu einem Zwischenfall. Als Amalie den Journalisten erblickt, lässt sie alles fallen und verschwindet verstört. Polt erfährt, dass es in ihrer Vergangenheit ein ungutes Ereignis zwischen den beiden gab, aber nicht, was genau war.
  Kurz darauf wird Amalie vergiftet aufgefunden und Polt muss in der nahen und fernen Vergangenheit ein Motiv für diese Tat suchen. Und dabei ergibt sich, dass Amalie für einst für eine Pfarrköchin einigermaßen Lebenslustig war. Der Journalist verschwindet und macht sich dadurch natürlich verdächtig. Aber Polt ist sich nicht so sicher, dass er der Täter war. Amalie hatte sich neben zahlreichen Flirts mit so ziemlich der ganzen Männerwelt des Dorfes, besonders zu Sonderlingen hingezogen gefühlt. Und da gibt es einige im Dorf, wie dem ärmlich dahinlebenden Bartl, der nur daran interessiert ist, wie er zur nächsten Flasche Alkohol kommt. Oder der einst engagierte, charmante und gutaussehende Lehrer, der seit einiger Zeit versucht sich zu Tode zu saufen. Aber auch der Pfarrer und der ebenfalls etwas eigentümliche Mesner gehören in diesen Kreis. Außer dem Pfarrer, sind sie alle zusammen irgendwie gescheiterte Existenzen.
 
  Komareks dritter Krimi mit dem Weinviertler Gendarmen Polt gleicht natürlich in vielerlei Hinsicht seinen beiden Vorgängern. Wieder spielt das Weinviertel als Hintergrund mit seiner rauen Landschaft und ihren typisch ländlich-zurückhaltenden Dorfbewohnern, den Kellergassen, dem Wein und die gleichzeitig beengte Atmosphäre die Hauptrolle. „Himmel, Polt und Hölle“ ist aber etwas temporeicher als das der Vorgänger „Polt muss weinen“, ist aber trotzdem noch immer ein stiller Roman.
  Der Stil und auch die Hauptfigur erinnern vielleicht ein wenig an Simenons Maigret, obwohl ein solcher Vergleich vielleicht etwas weit hergeholt ist und der Hintergrund bei Beiden kaum unterschiedlicher sein könnte.
  Die in der ersten Auflage durch einen Fehler in der Druckerei relativ häufigen Fehler wurden in der 2. Auflage weitgehend korrigiert. Der Fehler beim vermeintliche Goethe-Zitat um des Pudels Kern ist vom Autor aber beabsichtigt, um den wichtigtuerischen Mesner als halbgebildeten Besserwisser zu entlarven.
  Und natürlich darf am sich schon auf eine ähnlich geniale Verfilmung mit Erwin Steinhauer freuen, wie sie schon bei „Polt muss weinen“ zu sehen war.

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