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Simon Singh
The Code Book
The Science of Secrecy from Ancient Egypt to Quantum Cryptography.

Anchor Books/Doubleday
2000
410 Seiten
$ 14,-


Von Bruno Hopp am 25.07.2001

  Simon Singh hat wieder einmal eine ausgesprochen schwierige Materie hervorragend dargestellt: die Geschichte der Kryptographie. Von den Anfängen in der Antike - bestimmt durch oft militärische Erfordernisse - über deren Rolle in ausgewählten Etappen der Weltgeschichte geht es bis in die heutige Zeit mit leicht verfügbaren Computern in den meisten Privathaushalten.
  Simon Singh ist ausgebildeter Mathematiker, und diese Passion kommt der Darstellung des Themas sehr zugute.
  Verschlüsselung von Nachrichten jeder Art war viele Jahrhunderte nicht allein eine gängige Praxis politischer Eliten, Singh läßt seine Leser an keiner Stelle des Buches darüber im Unklaren, welche bedeutsame Rolle das mathematische Verständnis jederzeit im Verschlüsseln als auch bei allen Versuchen spielt, verschlüsselte Codes wieder zu entschlüsseln. Exemplarisch wird das Schicksal von Mary, Königin von Schottland beschrieben - bis hin zu ihrem tragischen Ende.
  Weitere Schritte in der Entwicklung der Ver- und Entschlüsselungs- techniken wie die Tabellen von Vigenere, die Entdeckungen eines Charles Babbage und des preussischen Offiziers Kasiski werden beschrieben.
  Wieder eine entscheidendes Ereignis der Weltgeschichte wird mit der Zimmermann-Depesche 1917 beleuchtet. Auch hier spielte die Ver- und Entschlüsselung eine wichtige Rolle, wie so häufig wird dies erst den nachfolgenden Generationen einigermassen klar.
  Den breitesten Raum nimmt die Darstellung britischer Arbeiten im Zweiten Weltkrieg ein: u.a. die deutsche Enigma lieferte schwer zu entschlüsselnde Codes. Das Zentrum einer Einheit, die in Bletchley Park stationiert wurde, lieferte zahlreiche Erfolge und erzielte auch wissenschaftliche Fortschritte bei den andauernden Bemühungen, die verschlüsselte Kommunikation des deutschen Militärs im Zweiten Weltkrieg zu entschlüsseln. Erste Computer wurden hier erfolgreich gebaut und eingesetzt - nicht in USA!
  Die Geheimhaltungsmanie der Regierungsbehörden liess denn auch den Erbauer und Entwickler erster Computermodelle (Tommy Flowers) im Dunkel der Geschichte verschwinden. Die angeblichen ersten Computer (ENIAC etc. in USA) waren Weiterentwicklungen jener ersten Modelle.
  Die Rolle der Navajos für die sichere Kommunikation des US-Militärs wird plastisch geschildert, ebenso die Funktion ausgewählter Altphilologen bei der Entschlüsselung antiker Schriften und Sprachen.
  Anschaulich und zeitnah werden die letzten Kapitel der Geschichte zur modernen Kryptographie, speziell dem sicheren Austausch von Schlüsseln. Die Entwicklung des mathematischen Modell durch Rivest, Shamir und Adleman - heute bekannt als RSA-Verschlüsselung – wird aufgezeigt. Schon wieder taucht die britische "Intelligence" scene aus dem Londoner Nebel auf: diesmal heissen die Hauptakteure James Ellis, Clifford Cocks und andere vom GCHQ. Hier liegt nun die Geburtsstunde des asymmetrischen public-key. Phil Zimmermann und die Geschichte von PGP werden skizziert. Wer weiss schon, dass dessen Lieblings-TV-Serie "Pretty good groceries" hiess und so zum Namenspatron wurde?
  Die Rolle von Gesetzgebung und Regierungsbehörden wird keineswegs unterschlagen, hier liefert Singh wieder ein schönes Beispiel, daß Verständnis für Wissenschaft keineswegs nur im Elfenbeinturm möglich ist!
  Insgesamt: ein wirklich lesenswertes Buch zur Rolle der Verschlüsselung. Sehr sachlich im Stil, wird in verständlichem Umgangsenglisch und manchmal auch mit einem Augenzwinkern der teils mathematische Hintergrund moderner Kryptographie ausgebreitet.
 This book is a must!
 Übrigens: vom gleichen Autor stammt auch eine sehr schöne Darstellung zu Fermat's letztem Theorem!

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