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Davide Ferrario
Römisches Maskenspiel
(Dissolvenza al nero, 2000)

dtv
2005
Übersetzt von Moshe Kahn
429 Seiten
€ 9,90 [D] 10,20 [A]


Von Alfred Ohswald am 11.07.2001

  Im Herbst 1947 reist Orson Welles zu Dreharbeiten nach Italien. In Amerika lief für ihn nicht alles zum Besten und die immer rücksichtslos auftretenden Kommunistenjäger haben ihn schon in ihr Visier genommen. Gleich am ersten Drehtag zu „Black Magic“, in dem er den legendären Cagliostro spielt, gibt es einen Todesfall. Ein Schauspieler bricht zusammen und flüstert Welles mit seinen letzten Atemzügen „San... Fran...ces...co, Welles. San... Francesco…” zu.
  Die Polizei stellt fest, dass der Schauspieler ein bekannter Drogensüchtiger war und an einer Überdosis gestorben ist. Doch Welles lässt dieses Ereignis nicht mehr los und er engagiert einen Privatdetektiv, um hinter das vermeintliche Geheimnis zu kommen.
  Anfangs nicht sonderlich von dieser Sache überzeugt, beginnt Moravia, der Privatdetektiv, mit seinen Nachforschungen. Nach kurzer Zeit stößt er auf immer verschlungenere Verwicklungen. Alle scheinen im turbulenten Italien der Nachkriegszeit irgendwie ihre Hände im Spiel gehabt zu haben. Fast jeder Hinweis führt zu weiteren, zwielichtigen Kreisen. Ehemalige, schon wieder mächtige Faschisten, der CIA, illegal Geld ins Ausland transferierende Würdenträger des Vatikans, die Mafia und Männer, die ihre eigenen Ziele verfolgen, alle scheinen auf irgend eine Weise damit zu tun gehabt zu haben. Die ersten Wahlen stehen bevor und die Angst vor einem Sieg der Linken macht manche Kreise in Italien und die Amerikaner in dieser brisanten, weltpolitischen Situation überaus nervös.
  Welles begegnet der schönen, ihm zurückhaltend gegenübertretenden Lea Padovani und verliebt sich in sie. Doch sie lässt ihn weiter zappeln.
  Welles und Moravia entdecken ein brisantes Geheimnis, doch hinter dem Mord, der die Neugier Welles weckte, steckt eine private Tragödie...
 
  Ferrario hat politische Intrigen, zwielichtige und tragische Figuren, Liebe, Dekadenz, bekannte historische Persönlichkeiten und noch einiges Andere zu einem rundum gelungenen historischen Thriller verarbeitet. Trotz dieser Vielfalt an Figuren und einer komplexen Handlung schaffte er es, den Leser nicht die Orientierung verlieren zu lassen und eine durchgehende Spannung zu erzeugen. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Welles und Moravia. Der Stil ist temporeich und flüssig.
  Dieses Sittengemälde Nachkriegsitaliens erinnert zeitweise an „Der dritte Mann“, den wahrscheinlich bekanntesten Film mit Orson Welles. Ferrario hat sich mit seinem ersten Roman gleich in die erste Reihe befördert. „Römisches Maskenspiel“ hält den Vergleich mit den besten Büchern von Le Carré oder Forsyth locker stand und hat zweifellos das Zeug zum Bestseller.
  In einem Nachwort erklärt Ferarrio, welche Teile des Romans fiktiv sind und welche sich wie stark auf reale Vorbilder stützen.
  Eine Verfilmung ist bereits in Vorbereitung. Aber selten sind Filme an ihre literarischen Vorlagen herangekommen, wenn die so hervorragend wie diese waren. Aber Ferrario kommt aus dem Filmgeschäft und hat sowohl als Drehbuchautor als auch als Regisseur einige Erfahrung.

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