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Shirley Jackson
Spuk in Hill House
(The Haunting of Hill House, 1959)

Diogenes
1993
Übersetzt von Wolfgang Krege
294 Seiten
DM 16,90 öS 123,- sFr 16,90


Von Alfred Ohswald am 08.07.2001

  Dr. Montague forsch über Übersinnliches. Als er von dem Spukhaus Hill House hört, plant er eine streng wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens. Er lädt Personen ein mit ihm einige Zeit in Hill House zu verbringen, um Zeugen für außergewöhnliche Ereignisse zu haben. Schlussendlich kommen jedoch nur die zwei jungen Frauen Eleanor und Theodora. Eleanor ist unscheinbar, schüchtern und unsicher, die mondäne Theodora ist das absolute Gegenteil von ihr. Eine Auflage der Hausbesitzer ist, dass ein Familienmitglied dabei sein soll. Diese Rolle fällt dem leichtlebigen Luke zu. Eleanor und Theodora freunden sich schnell miteinander an.
  Die erste Nacht verläuft ereignislos. Nur die überaus eigenartige Architektur von Hill House ist ungewöhnlich. Und bei einem Rundgang während ihres ersten Tages bemerken sie eine unheimliche, extrem kalte Stelle.
  Die zweite Nacht verläuft schon sehr viel ungewöhnlicher. Geräusche in den Gängen und wütende Schläge gegen Zimmertüren machen ihnen bald klar, dass Hill House etwas Ungewöhnliches und Gefährliches ist. Der Terror des Hauses und langsam aufsteigende Spannungen zwischen den Vier steigern die Unruhe.
  Als dann noch die Frau von Dr. Montague, eine selbstgerechte, besserwisserische Spiritistin, mit einem wunderlichen, männlichen Begleiter auftaucht, eskaliert die Situation zunehmend stärker.
 
  Der Gruselklassiker ist wohl der bemerkenswerteste Roman über ein Spukhaus. Den meisten dürfte die Verfilmung unter dem Titel „Bis das Blut gefriert“ von Robert Wise („The Haunting“ mit Richard Johnson, Julie Harris, Claire Bloom, u.a., 1963) bekannt sein. Spielberg produzierte mit Regisseur Jan de Bont 1999 das Remake „Das Geisterschloss“. Die klassische Verfilmung ist eine der wenigen Ausnahmen, in denen der Film mit dem Buch mithalten kann oder es gar übertrifft. Die Spannungen im Buch zwischen der grauen Maus Eleanor und der weltmännischen Theodora wird im Film noch durch deutlich „gewürzt“, indem Theodora noch eindeutig lesbische Tendenzen zeigt.
  Der Roman gehört aber auch zum Besten, was jemals im Horrorgenre geschrieben wurde. Die zwischenmenschlichen Spannungen und die Bedrohungen durch das bösartige Haus schaffen eine doppelt spannungsgeladene Atmosphäre. Das geschickt eingesetzte Stilmittel der Autorin, die Geschichte aus der Sicht der psychisch labilen Eleonore zu beschreiben, die auch das auserkorene Opfer von Hill House ist, ermöglicht es ihr, die Situation noch pointierter zu schildern. Eine solche Hauptfigur ist auch später immer wieder von Autoren des Genres benutzt worden. „Carrie“ von Stephen King ist da ein bekanntes Beispiel.
  Die geschickte Auswahl der Protagonisten, die in ihren Charaktereigenschaften kaum unterschiedlicher sein könnten, in dem fast viktorianisch anmutenden, gesellschaftlichen Umfeld und die Bedrohung dieser ohnehin konfliktträchtigen Konstellation durch das unheimliche Haus sind eigentlich eine wenig originelle Idee. Was Jackson daraus gemacht hat, ist ein Meisterwerk.

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